Detailhandel hinkt Konjunktur hinterher - CS erwartet 2018 leichtes Plus

Der Schweizer Detailhandel dürfte den Umsatzrückgang im vergangenen Jahr 2017 gestoppt haben. Für das Jahr 2018 erwarten die Ökonomen der Credit Suisse nun ein kleines Umsatzplus, wie dem am Dienstag veröffentlichtem "Retail Outlook" der Bank zu entnehmen ist. Innerhalb der Branche dürfte der Onlinehandel weiter kräftig zulegen, während der Einkaufstourismus weiter für Kaufkraftabfluss sorge.
09.01.2018 10:15

Nach zwei Jahren Schrumpfungskurs dürfte der Umsatzrückgang 2017 im Schweizer Detailhandel zum Halt gekommen sein, heisst es. Positiv habe sich die Verbesserung am Arbeitsmarkt und bei der Konsumentenstimmung ausgewirkt. Gemäss Schätzung der Ökonomen der Credit Suisse stagnierten die nominalen Umsätze.

Die von Fuhrer & Hotz befragten Branchenvertreter würden die Lage insgesamt etwas optimistischer sehen: 61% gehen von steigenden Umsätzen aus, während bloss 15 % mit rückläufigen Umsätzen rechnen. Eine grosse Herausforderung für stationäre Händler bleibe der weiterhin dynamisch wachsende Onlinehandel.

2017 dürfte der Kaufkraftabfluss durch den Einkaufstourismus weiterhin erheblich gewesen sein, trotz Abwertung des Franken. Die Studie zeige, dass Konsumenten bei einem durchschnittlichen Auslandseinkauf rund eine Stunde mehr Wegzeit in Kauf nehmen, als bei Inlandseinkäufen.

Die unterschiedlichen Entwicklungen der Hauptsegmente Food/Near-Food und Non-Food habe sich 2017 verringert. Food/Near-Food-Produkte hätten geschätzt ein schwaches nominales Umsatzplus von 0,3% erreicht, Non-Food-Markt mit -0,1% den Rückgang praktisch gestoppt. Im letzteren Segment gebe es jedoch je nach Produktgruppen deutliche Unterschiede. So waren die Umsätze im Bekleidungshandel gemäss Studie mit 1,5% erneut rückläufig, wenn auch weniger stark als noch 2016 (-6,9%).

2018 LEICHTES PLUS ERWARTET

Für den gesamten Detailhandel gehen die Credit Suisse-Ökonomen für 2018 von einem leichten Umsatzwachstum von 0,3% aus. Im Non-Food-Segment wird mit einer Stagnation gerechnet, im Food-Detailhandel hingegen mit einem Umsatzplus von 0,5%.

Die CS rechnet mit einem weiteren Bevölkerungswachstum, wenn auch schwächer als in den Vorjahren. Beim Wirtschaftswachstum wird mit einer Beschleunigung auf 1,7% gerechnet, mit positiven Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Konsumentenstimmung. Die prognostizierte Teuerung werde die höheren Nominallöhne voraussichtlich in etwa ausgleichen und somit zu keiner Steigerung der Kaufkraft führen. Der Preisdruck in der Branche dürfte sich angesichts des schwächeren EUR/CHF-Wechselkurses reduzieren, so die Erwartung.

ONLINEHANDEL AUF DEM VORMARSCH

Das Umsatzwachstum von heimischen und ausländischen Onlineanbietern habe dasjenige des stationären Handels bei Weitem übertroffen, heisst es weiter. Die Ökonomen der Credit Suisse schätzen, dass der deutsche Onlinehändler Zalando in der Schweiz inzwischen drei Mal so viel umsetzt wie noch 2012 und damit nach Digitec Galaxus der grösste Onlinehändler der Schweiz sein dürfte.

Geschätzt hat Zalando 2017 hierzulande laut CS 624 Mio CHF umgesetzt. Der Anteil der Schweiz am gesamten Zalando-Umsatz in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) entsprach 2016 etwa einem Viertel, obwohl die Schweiz mit ihren 8,4 Millionen Einwohnern nur gerade 8% der Bevölkerung der DACH-Region stellt.

yr/cf

(AWP)

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