Deutsche Bundesbank sieht in Protektionismus ernste Gefahr für Weltwirtschaft

Die Bundesbank sieht jüngste Bestrebungen für mehr Abschottung einzelner Volkswirtschaften mit grosser Sorge. "Protektionistische Tendenzen stellen eine bedeutende Gefahr für die Weltwirtschaft dar", hiess es in dem am Montag veröffentlichten Monatsbericht der Bundesbank. Die Notenbanker räumten zwar ein, dass insbesondere Geringverdiener unter den Folgen der Globalisierung zu leiden haben. Dieses Argument eigene sich aber nicht als Rechtsfertigung für Angriffe auf das bestehende Handelssystem. Die Experten der Bundesbank raten vielmehr, die Regeln des internationalen Handels weiterzuentwickeln.
24.07.2017 12:02

Die Gefahren, die von jüngsten Tendenzen zu mehr Protektionismus ausgehen, sollten nicht unterschätzt werden, hiess es im Bericht. Nach Einschätzung der Bundesbank überwiegen zwar die Vorteile der Liberalisierung des Welthandels die Nachteile. Durch die Globalisierung komme es aber zu einer ungleichmässigen Verteilung der Erträge. Diese drohe die Akzeptanz der Globalisierung in der Bevölkerung zu schwächen und stelle die Politik vor Herausforderungen.

Ein weiteres Problem für das internationale Handelssystem ist die Kritik an den globalen Ungleichgewichten im Welthandel. Vor allem die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat es immer wieder als unfair bezeichnet, dass die USA im internationalen Handel ein hohes Defizit einfahren, während erfolgreiche Exportnationen wie Deutschland oder China gleichzeitig hohe Überschüsse verbuchen.

Nach Einschätzung der Bundesbank eignen sich weder die Einbussen der Geringverdiener noch die globalen Ungleichgewichte als Argument für Angriffe auf das bestehende Handelssystem. Die Notenbanker erkennen aber durchaus die Probleme, die sich aus dem Strukturwandel im Zuge der Globalisierung ergeben. Sie raten diesen Herausforderungen vielmehr mit Hilfe der Bildungs- und der Wirtschaftspolitik zu begegnen. Ausserdem empfiehlt die Bundesbank eine stärkere internationale Anpassung der Steuersysteme.

"Als hilfreich mögen sich die vertrauensbildenden Gespräche der Vertreter der G20-Staaten erweisen", schreiben die Bundesbank-Experten. Nicht zuletzt der gemeinsamen Entschlossenheit der Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländern sei es zu verdanken gewesen, dass es während der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise nicht zu einem Rückfall in den Protektionismus kam./jkr/bgf/stb

(AWP)