Deutsche Exporte schwächeln im Oktober - dennoch winkt neues Rekordjahr

(Ausführliche Fassung) - Die Warenexporte der deutschen Wirtschaft sind im Oktober überraschend gefallen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts vom Freitag lagen die Ausfuhren 0,4 Prozent unter dem Niveau vom Vormonat. Analysten hatten stattdessen mit einem Zuwachs um 1,0 Prozent gerechnet. Trotz des Dämpfers zeichnet sich aber nach Einschätzung von Experten für Deutschlands Exportwirtschaft ein erneutes Rekordjahr ab.
08.12.2017 12:49

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der Bank Ing-Diba sieht nach zuletzt enttäuschenden Daten zur Industrieproduktion in den schwachen Oktober-Aussenhandelszahlen einen weiteren Beleg für einen schwächeren Start der deutschen Wirtschaft ins vierte Quartal.

Dennoch zeichnet sich insgesamt ein starkes Exportjahr ab. In den ersten zehn Monaten führten die Unternehmen laut dem Statistikamt Waren im Wert von rund 1,06 Billionen Euro aus - 6,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Oktober gab es gegenüber dem Vorjahresmonat ein Plus von 6,8 Prozent auf 108,0 Milliarden Euro.

Der deutsche Aussenhandel ist daher nach Einschätzung des Präsident des Aussenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann, auch im vierten Quartal mit viel Schwung unterwegs. Die gute konjunkturelle Lage in Deutschland, in der EU, aber auch weltweit unterstütze diese Entwicklung. Der Verband rechnete zuletzt mit einem Anstieg der Exporte im Gesamtjahr um fünf Prozent auf rund 1,27 Billionen Euro. Es wäre das vierte Rekordjahr in Folge.

Erleichtert reagierte der BGA auf den ersten Durchbruch bei den zähen Verhandlungen über den EU-Austritt Grossbritanniens (Brexit). "Was wir aber nach wie vor vermissen, ist eine klare Positionierung von Grossbritannien, wie man sich die zukünftigen Beziehungen vorstellt", kritisierte Bingmann. "Immerhin ist Grossbritannien unser drittwichtigster europäischer Handelspartner."

Die Einfuhren nach Deutschland stiegen im Oktober gegenüber dem Vormonat um 1,8 Prozent. Erwartet wurde ein geringerer Zuwachs um 1,0 Prozent. In den ersten zehn Monaten stiegen die Importe stärker als die Ausfuhren. In Summe exportiert Deutschland jedoch seit Jahren mehr als es importiert. Das sorgt bei Handelspartnern immer wieder für Kritik, insbesondere bei US-Präsident Donald Trump, der Freihandel generell skeptisch gegenübersteht. Für Oktober ergab sich ein Überschuss in der deutschen Handelsbilanz von 18,9 Milliarden Euro./tos/mar/jkr

(AWP)