Deutsche Konjunkturaussichten bleiben erst einmal gedämpft

Die Bundesregierung rechnet mit anhaltendem Gegenwind für die deutsche Wirtschaft. "Die Binnenkonjunktur ist weiter intakt, aber die exportorientierte Industrie durchlebt eine Durststrecke", heisst es in dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht des deutschen Wirtschaftsministeriums.
13.06.2019 10:35

Nach dem deutlichen Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) im ersten Quartal von 0,4 Prozent blieben die Aussichten für das zweite erst einmal gedämpft. "Der spürbare Rückgang der Auftragseingänge in der Industrie seit Jahresbeginn sowie das sich bis Mai weiter eintrübende Geschäftsklima signalisieren ein Andauern der industriellen Schwächephase", betonte das Ministerium. Beschäftigung und Einkommen dürften aber nach wie vor spürbar zulegen, ebenso die Bauinvestitionen.

"Am Arbeitsmarkt zeigen sich erste Bremsspuren", schreiben die Experten des Ministeriums. "Beim Zuwachs der Erwerbstätigkeit verfestigt sich die niedrigere Dynamik." Die Arbeitslosigkeit habe im Mai nicht nur aufgrund von Sondereffekten zugenommen. Die Bundesagentur für Arbeit bereitet sich angesichts der abkühlenden Konjunktur bereits auf einen Anstieg der Kurzarbeit in Industriebranchen vor, Arbeitsagenturchef Detlef Scheele jüngst mitteilte.

Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr wegen der Handelskonflikte und Risiken wie dem Brexit nur mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. 2018 hatte es noch zu 1,4 Prozent gereicht.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) senkte die Konjunkturprognose für 2019 auf 0,6 Prozent und für 2020 auf 1,6 Prozent. Bislang hatten die Forscher noch mit 1,0 Prozent in diesem Jahr und 1,8 Prozent im kommenden Jahr gerechnet.

(AWP)