Deutsche Wirtschaft erhöht Drehzahl zum Jahresbeginn

(Meldung mit Einschätzungen von Ökonomen in den letzten vier Abschnitten ergänzt) - Die deutsche Wirtschaft ist mit Schwung ins Jahr 2017 gestartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im ersten Quartal um 0,6% im Vergleich zum Vorquartal. Treiber waren der Bauboom, steigende Unternehmensinvestitionen und Exporte sowie der Konsum im Inland.
23.05.2017 12:18

Dies teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Ende 2016 hatte Europas grösste Volkswirtschaft moderater um 0,4% zugelegt. Gegenüber dem Vorjahresquartal ist das deutsche BIP arbeitstagsbereinigt gar um 1,7% gewachsen.

Die Unternehmen gaben ihre Zurückhaltung auf und investierten kräftig in Maschinen und andere Ausrüstungen (plus 1,2%). Der ohnehin schon boomende Bau profitierte auch von der vergleichsweise milden Witterung. Die Investitionen stiegen gegenüber dem Vorquartal um 2,3%.

Die Konsumenten waren trotz der zum Jahresanfang gestiegenen Inflation weiterhin in Konsumstimmung. Sparen wirft wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab und die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist historisch günstig. Das heizt die Kauflaune an. Auch die Ausgaben des Staates unter anderem für die Unterbringung Hunderttausender Flüchtlinge trugen zum Wachstum bei.

"MADE IN GERMANY" GEFRAGT

Positive Impulse kamen nach Angaben der Statistiker zudem vom Aussenhandel - die Exporte stiegen stärker als die Importe. Deutschlands Exportunternehmen profitierten von der Erholung der Weltwirtschaft und dem schwächeren Euro, das treibt die Nachfrage nach "Made in Germany" an.

Deutschland wächst derzeit schneller als die USA, Grossbritannien und Frankreich. In der grössten Volkswirtschaft der Welt reichte es zum Jahresauftakt nur zu 0,2% Wachstum, in Grossbritannien und Frankreich gab es je ein Plus von 0,3% zum Jahresauftakt.

Ökonomen zufolge nimmt die deutsche Wirtschaft Kurs auf eine der längsten Wachstumsperioden. "Die deutsche Wirtschaft wird zum Langstreckenläufer", analysierte KfW-Chefökonom Jörg Zeuner. "Sie hält ihr Tempo mit beeindruckender Ausdauer und nimmt Kurs auf eine der längsten Wachstumsperioden des letzten halben Jahrhunderts."

Auch nach Einschätzung der deutschen Bundesbank kann die Konjunktur ihr hohes Tempo vorerst halten. "Das kräftige Wachstum der deutschen Wirtschaft wird sich im Frühjahr 2017 wohl fortsetzen", heisst im jüngsten Monatsbericht der Notenbank.

Im Gesamtjahr rechnen führende Wirtschaftsforschungsinstitute und die deutsche Regierung mit einem Wachstum von 1,5%. Manche Ökonomen trauen der deutschen Wirtschaft noch etwas mehr zu.

Die EU-Kommission rechnet mit 1,6%. 2016 betrug das Wachstum noch 1,9% - allerdings zählte das Vorjahr auch rund drei Arbeitstage mehr. Unsicherheit stiften weiterhin die unklaren Bedingungen des EU-Austritts Grossbritanniens (Brexit) und die US-Handelspolitik.

(AWP)