Deutsche Wirtschaft zeigt sich nach Brexit-Referendum robust

(Ausführliche Fassung)
25.07.2016 11:31

MÜNCHEN (awp international) - Das Brexit-Referendum hat die Stimmung in der deutschen Wirtschaft weniger belastet als befürchtet. Das Ifo-Geschäftsklima, der wichtigste deutsche Konjunkturindikator, trübte sich im Juli deutlich weniger als erwartet ein. Das Geschäftsklima fiel zum Vormonat um 0,4 Punkte auf 108,3 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag mitteilte. Volkswirte hatten einen stärkeren Rückgang auf 107,5 Punkte erwartet. "Die deutsche Konjunktur zeigt sich widerstandsfähig", kommentierte Ifo-Chef Clemens Fuest.

Verantwortlich für den Rückgang war die pessimistischere Beurteilung der Geschäftserwartungen. Der entsprechende Unterindikator fiel um 0,9 Punkte auf 102,2 Punkte. Allerdings war auch hier mit 101,6 Punkten ein stärkerer Rückgang prognostiziert worden. Die Beurteilung der aktuellen Lage verbesserte sich sich sogar. Hier ging es um 0,1 Punkte auf 114,7 Punkte aufwärts. Ökonomen hatten einen Rückgang auf 114,0 Punkte erwartet.

MONATLICHE UMFRAGE

Im Verarbeitenden Gewerbe und im Grosshandel verschlechterte sich der Indikator im Juli. Im Einzelhandel und im Bauhauptgewerbe verbesserte er sich hingegen. Die Daten für den Monat Juli berücksichtigen erstmals die Entscheidung der Briten für einen Ausstieg aus der Europäischen Union. Das Ifo-Geschäftsklima basiert auf einer monatlichen Umfrage unter etwa 7000 Unternehmen.

"Der Ifo-Index belegt die These, dass das Brexit-Votum keine tiefen Bremsspuren in der deutschen Wirtschaft hinterlassen wird", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt von der VP-Bank. Es sei eine gute Nachricht, dass die deutschen Unternehmen das britische Votum relativ gelassen nähmen. Die VP-Bank erwartet für Deutschland ein "unspektakuläres Wachstum".

'KEIN UNSICHERHEITSSCHOCK'

"Von einem Unsicherheitsschock kann keine Rede sein", kommentierte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen die Zahlen. Der bevorstehende Brexit werde die deutsche Wirtschaft allenfalls über den Export-Kanal schwächen, also über eine geringere Nachfrage in Grossbritannien nach deutschen Produkten.

Schon die am Freitag vom Marktforschungsinstitut Markit veröffentlichte Umfrage bei den Einkaufsmanagern der Unternehmen hatte nur geringe Auswirkungen des Brexit-Referendums auf die Wirtschaft von Deutschland und der Eurozone signalisiert. Dagegen brachen die Werte für Grossbritannien regelrecht ein.

EUROKURS STEIGT LEICHT

Der Eurokurs legte nach den Zahlen leicht zu und stieg auf ein Tageshoch von 1,0989 US-Dollar. Der Dax baute seine Kursgewinne aus. Die Kurse deutscher Staatsanleihen gerieten leicht unter Druck.

Die Daten im Überblick


                                 Juli            Prognose         Juni

Ifo-Geschäftsklima       108,3             107,5           108,7
Aktuelle Lage              114,7             114,0           114,6r
Erwartungen               102,2             101,6           103,1

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(AWP)