Deutscher Bundesbankchef gegen Bargeldabschaffung - EZB-Massnahmen abwarten

FRANKFURT (awp international) - Nach dem beschlossenen Aus für den 500-Euro-Schein weist die Bundesbank Begehrlichkeiten nach einer vollständigen Abschaffung des Bargeldes zurück. "Solche Vorschläge wären (...) die falsche, völlig unverhältnismässige Antwort auf die geldpolitischen Herausforderungen an der Nullzinsgrenze", sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Montag bei einer Tagung der Notenbank in Frankfurt. Er halte "die Abschaffung des Bargelds für kein sinnvolles Instrument, um die Geldpolitik zu beflügeln".
13.06.2016 10:36

Anfang Mai hatte der EZB-Rat die schrittweise Abschaffung des 500ers beschlossen. "Nach einer angemessenen Übergangsfrist, voraussichtlich frühestens Ende 2018, werden (...) keine 500-Euro-Scheine mehr ausgegeben", bekräftigte Weidmann. "Es gibt erste Hinweise, dass die Bürger bereits beginnen, 500-Euro-Scheine gegen geringere Stückelungen einzutauschen."

Ausserdem verteidigte Weidmann die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Allerdings sprach er sich dafür aus, vorerst keine weiteren Massnahmen im EZB-Rat zu beschliessen. Es sei "ausreichend Zeit" vorhanden, die Wirkung der bisher beschlossenen Massnahmen auf die Preisentwicklung abzuwarten, sagte der Währungshüter. Zuletzt hatte die EZB im März eine Reihe von Massnahmen im Kampf gegen die zu niedrige Inflation beschlossen und dabei unter anderem den Leitzins erstmals auf Null gesetzt.

Wegen der "gedämpften Preisaussichten ist eine expansive Geldpolitik derzeit angemessen", sagte Weidmann, der auch Mitglied im EZB-Rat ist. Zuletzt lag die Inflationsrate im Euroraum nahe der Nullmarke und damit deutlich unter dem anvisierten Ziel von knapp zwei Prozent, bei dem die Währungshüter die Stabilität der Währung als gewährleistet ansehen.

Weidmann warnte einmal mehr vor den Gefahren der aktuellen Geldpolitik. Das Eurosystem habe in der Anwendung der unkonventionellen Massnahmen bislang nur wenig Erfahrung. "Die Risiken- und Nebenwirkungen der ultralockeren Geldpolitik nehmen mit der Zeit zu. Darauf weise ich immer wieder hin", sagte der Währungshüter. /ben/DP/jkr

(AWP)