Devisen: Euro und Pfund abgestürzt - Notenbanken wollen stabilisieren

FRANKFURT (awp international) - Das Brexit-Votum hat zu heftigen Turbulenzen am Devisenmarkt geführt. Der Euro gab deutlich nach, das britische Pfund rutschte auf den tiefsten Stand seit 31 Jahren ab. Die als sichere Häfen geltenden Währungen Yen und Franken waren unterdessen stark im Aufwind. "Die Marktreaktionen fielen heftig aus - aber nichts anderes war zu erwarten", kommentiert Ulrich Leuchtmann, Experte bei der Commerzbank. Führende Notenbanken haben unterdessen ihre Bereitschaft zu Eingriffen betont.
24.06.2016 14:39

Der Euro verlor am Freitag zwischenzeitlich etwa 3,5% an Wert und fiel bis auf 1,0913 USD, dem tiefsten Stand seit März. Da sich viele Marktteilnehmer in den vergangenen Handelstagen auf einen Verbleib Grossbritanniens in der Europäischen Union eingerichtet hatten, waren die Ausschläge ungewöhnlich hoch. Zuletzt hatte sich der Euro wieder etwas erholt und liegt am frühen Nachmittag bei 1,1070 USD.

Zum Franken hat die Gemeinschaftswährung am Tag nach der Abstimmung ebenfalls nachgegeben und zwischenzeitlich bei nur noch 1,0623 CHF gelegen. Die Schweizer Nationalbank (SNB) ergriff entsprechend stabilisierende Massnahmen. Man habe "am Devisenmarkt eingegriffen, um die Situation zu stabilisieren" und werde auch weiter aktiv bleiben, so die SNB. Am frühen Nachmittag steht der Euro nun wieder bei 1,0811 CHF.

Neben dem geschwundenen Vertrauen in die EU schwächten auch Erwartungen weiterer geldpolitischer Lockerungen in Reaktion auf den Brexit den Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) signalisierte am Freitag ihre Handlungsbereitschaft. Man sei bereit, "falls nötig, den Märkten zusätzliche Liquidität in Euro und anderen Währungen bereitzustellen", teilte die Notenbank mit. JPMorgan-Experte David Mackie geht davon aus, dass die EZB den Leitzins weiter senken und das Anleihekaufprogramm noch stärker ausweiten wird.

Unterdessen sorgte die panikartige Reaktion auf das Brexit-Votum vor allem beim Pfund für einen Ausverkauf. Die britische Währung fiel zwischenzeitlich unter 1,33 bis auf 1,3229 USD. Das war der tiefste Stand seit 1985. Damit war das Pfund rund 11% billiger als in der Nacht, als die britische Währung zeitweise noch etwas mehr als 1,50 USD gekostet hatte. Auch zum Franken gab das Pfund stark nach steht am frühen Nachmittag bei 1,3389 CHF, nachdem es am Vorabend noch 1,4176 CHF gekostet hat.

Der britische Notenbankenchef Mark Carney sagte am Freitag in einer Fernsehansprache, die Bank of England sei bereit, mehr als 250 Mrd GBP bereitzustellen, um die Funktionsfähigkeit der Märkte aufrechtzuerhalten. Dabei werde man auf die üblichen Instrumente zurückgreifen.

Im Gegenzug zu den Verlusten bei Euro und Pfund gewann der japanische Yen, der unter Anlegern als sicherer Hafen in schweren Zeiten gilt, auf breiter Front stark an Wert. Zwischenzeitlich kostete ein Dollar sogar weniger als 100 JPY und der Kurs fiel bis auf 99,02 JPY, was dem tiefsten Stand seit November 2013 entsprach. Im Anschluss kletterte der Kurs aber wieder über 100 JPY. Zum Euro stieg der Yen auf den höchsten Wert seit Dezember 2012. Ein Euro kostete zwischenzeitlich nur noch 109,57 JPY.

"Wir stehen bereit, um die Märkte mit genügend Liquidität zu versorgen", betonte der japanische Notenbankchef Haruhiko Kuroda am Freitag. Abrupte Bewegungen am Devisenmarkt seien nicht erstrebenswert, sagte zudem der japanische Finanzminister Taro Aso vor Journalisten. Der Finanzminister kann in Japan die Notenbank anweisen, am Devisenmarkt einzugreifen, um die Währung zu stabilisieren.

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(AWP)