Devisen: Euro und Pfund nach Brexit-Referendum abgestürzt - SNB interveniert

FRANKFURT (awp international) - Die Entscheidung der Briten zum Austritt aus der Europäischen Union hat zu heftigen Turbulenzen am Devisenmarkt geführt. Der Eurokurs gab deutlich nach, das britische Pfund rutschte auf den tiefsten Stand seit 1985 ab. Die als sichere Häfen geltenden Währungen Yen und Franken waren unterdessen stark im Aufwind. "Die Marktreaktionen fielen heftig aus - aber nichts anderes war zu erwarten", kommentiert Ulrich Leuchtmann, Devisenexperte bei der Commerzbank. Führende Notenbanken haben unterdessen ihre Bereitschaft zu Eingriffen betont.
24.06.2016 16:55

Der Euro verlor am Freitag zwischenzeitlich etwa 3,5 Prozent an Wert und fiel bis auf 1,0913 US-Dollar. Das war der tiefste Stand seit März. Da sich viele Marktteilnehmer in den vergangenen Handelstagen auf einen Verbleib Grossbritanniens in der Europäischen Union eingerichtet hatten, waren die Ausschläge ungewöhnlich hoch. Am Nachmittag hatte sich der Euro wieder etwas erholt und lag bei 1,1114 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Referenzkurs am Nachmittag auf 1,1066 (Donnerstag: 1,1389) Dollar festgesetzt.

Zum Franken hat die Gemeinschaftswährung am Tag nach der Abstimmung ebenfalls nachgegeben und im Tief am frühemn Morgen bei nur noch 1,0623 CHF notiert. Die Schweizer Nationalbank (SNB) ergriff entsprechend stabilisierende Massnahmen. Man habe "am Devisenmarkt eingegriffen, um die Situation zu stabilisieren" und werde auch weiter aktiv bleiben, so die SNB. EUR/CHF stieg entsprechend wieder deutlich an. Im Hoch am späteren Morgen waren es knapp 1,0870, am späten Nachmittag sind es wieder nur noch 1,0774 CHF.

Neben dem geschwundenen Vertrauen in die EU schwächten auch Erwartungen weiterer geldpolitischer Lockerungen in Reaktion auf den Brexit den Euro. JPMorgan-Experte David Mackie geht davon aus, dass die EZB den Leitzins weiter senken und das Anleihekaufprogramm noch stärker ausweiten wird. Die EZB signalisierte am Freitag ihre Handlungsbereitschaft. Man sei bereit, "falls nötig, den Märkten zusätzliche Liquidität in Euro und anderen Währungen bereitzustellen."

Unterdessen sorgte die panikartige Reaktion auf das Brexit-Votum vor allem beim Pfund für einen Ausverkauf. Die britische Währung fiel zwischenzeitlich unter 1,33 Dollar bis auf 1,3229 Dollar. Das war der tiefste Stand seit dem Jahr 1985. Damit war das Pfund rund elf Prozent billiger als in der Nacht, als die britische Währung zeitweise noch etwas mehr als 1,50 Dollar gekostet hatte. Am Nachmittag lag das Pfund bei 1,3795 Dollar. Auch zum Franken gab das Pfund stark nach und steht späten Nachmittag bei 1,3344 CHF, nachdem es am Vorabend noch 1,4176 CHF gekostet hatte.

Die Schweizer Notenbank schritt am Freitag gleich zur Tat. Man habe am Devisenmarkt eingegriffen, um die Situation zu stabilisieren und werde am Markt aktiv bleiben, teilte die Notenbank mit. Der Franken hatte zuvor kräftig zugelegt. Im Gegenzug fiel der Eurokurs von über 1,10 Franken auf zwischenzeitlich bis zu 1,06237 Franken. Zuletzt lag der Kurs bei 1,0776 Franken.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,80750 (0,76595) GBP und 113,23 (120,38) JPY fest.

Die Feinunze Gold wurde in London am Nachmittag mit 1'313,85 (1'262,15) Dollar gefixt. Ein Kilogramm Gold kostete 37'370,00 (35'180,00) Euro.

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(AWP)