Devisen - Wird Draghi den Euro schlechtreden?

Nach der starken Aufwertung des Euro zum Dollar steigt die Wahrscheinlichkeit, einer verbalen Intervention von EZB-Präsident Mario Draghi.
30.08.2017 11:23
Gegenüber dem Dollar und anderen Währungen hat der Euro deutlich zugelegt.
Gegenüber dem Dollar und anderen Währungen hat der Euro deutlich zugelegt.
Bild: Pixabay

Der Euro, der am Dienstag zum ersten Mal seit Januar 2015 die psychologische Marke von 1,20 Dollar durchbrochen hat, dürfte in der nächsten Zeit zwar gewisse Gewinnmitnahmen erleben. Jedoch haben die Banken keine Zweifel, dass der Trend "bullish" bleibt, was eine unerwünschte Verschärfung der Finanzbedingungen im Euroraum auslösen würde.

"Die Frage ist nun, was die Europäische Zentralbank im September tun wird, um den Markt zu beruhigen", sagt Thomas Flury, globaler Leiter Währungsstrategie bei der UBS, in einem Telefoninterview. "Draghi braucht wirklich Talent, um die Bewegung bei Euro-Dollar zu stoppen."

Der Euro hat in diesem Jahr gegenüber dem Dollar mehr als 13 Prozent gewonnen angesichts von Spekulationen, dass die EZB ankündigen wird, ihr aussergewöhnliches Paket von quantitativen Lockerungsmassnahmen zurückzuführen. Die nächste geldpolitische Sitzung der EZB ist auf den 7. September terminiert.

Hier ist eine Auswahl von Analystenmeinungen vor der EZB-Sitzung:

UniCredit

  • Die EZB könnte einige Äusserungen zum Wechselkurs machen, die sich auf das Tempo der Aufwertung auswirken könnten - dies verringern oder sogar stoppen könnten -, aber eine bedeutende Trendwende erscheint unwahrscheinlich, sagt Stratege Vasileios Gkionakis aus LondonSieht bis zum Ende dieses Jahres und im nächsten Jahr Aufwärtsrisiken für Euro-Dollar-Prognosen von 1,20 und 1,25

Crédit Agricole

  • In den kommenden Tagen wird die zentrale Frage für die Devisenmärkte sein, wo Draghis Euro-Schmerzschwelle liegt, schrieb der in London ansässige Stratege Valentin Marinov in einer Notiz an Kunden Die starke Euro-Aufwertung in den vergangenen Monaten dürfte die Währung sehr nahe an, wenn nicht über diese Schwelle getrieben haben, und die Kombination von anhaltender Währungsaufwertung und Ölpreisdeflation könnte erhebliche Abwärtsrisiken für die Inflationsaussichten der Eurozone in den nächsten 6 -12 Monaten bedeutenWeitere Euro-Gewinne in nächster Zeit könnten das Risiko einer sehr vagen und unverbindlichen Kommunikation am 7. September erhöhen, oder sogar einer kompletten Verschiebung einer Ankündigung für eine QE-DrosselungGewinnmitnahmen könnten den Euro vor der September-Sitzung der EZB etwas drücken

UBS

  • Der Markt könnte weiterhin die Geduld der EZB testen und versuchen, die aktuelle Rally bis zur September-Sitzung fortzusetzen, sagte Flury in einem TelefoninterviewEurokäufe sollten sogar auf diesem Niveau in den nächsten 1-2 Jahren ein profitables Investment sein. Jedoch könnte es in den nächsten 1-2 Monaten schwierig werden, die Währung höher zu treiben, angesichts des Inflationsziels der EZB

Danske Bank

  • Das Tempo der EUR-Aufwertung sollte ein zunehmendes Problem für die EZB darstellen und wir wären nicht überrascht, wenn Draghi dies bei der September-Sitzung erwähnen und kurzfristig einen Deckel auf das Währungspaar legen würde, sagt Chef-Devisenanalyst Christin Tuxen

ING Groep

  • Die EZB wird eine vorsichtige Drosselung der Anleihekäufe (Tapering) präferieren, mit einer sehr allmählichen Rücknahme einiger monetärer Stimuli, die keine Verschärfung der finanziellen Bedingungen verursacht, sagen Ökonomen in einer Notiz an KundenAngesichts der wachsenden Wahrscheinlichkeit einer taubenhaften Form von QE-Tapering sieht die Bank ein mehr fundamental gerechtfertigtes und anhaltendes Euro-Aufwärtspotenzial ab Mitte 2018, schreibt Stratege Petr Krpata in einer separaten Notiz

Société Générale

  • Obwohl der Euro nach der Rede von Draghi auf neue Höchststände kletterte, glauben wir weiterhin, dass die Euro-Aufwertung nun langsamer sein wird, und empfehlen Optionsstrukturen, die davon profitieren, sagen Strategen in einer Notiz

 

(Bloomberg)