Digitalisierung stellt Unternehmen laut UBS-Studie vor grosse Herausforderungen

(Meldung im vierten Abschnitt ergänzt und Aussage von Blessing präzisiert) - Knapp die Hälfte der Schweizer Unternehmen steht gemäss einer Umfrage der UBS durch die voranschreitende Digitalisierung vor grossen Herausforderungen. Diese Firmen rechnen mit substanziellen Änderungen des Geschäftsmodells. Im Zusammenspiel mit der demographischen Entwicklung dürfte die Digitalisierung zudem zu enormen Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur führen, wie UBS Schweiz Chef Martin Blessing am Donnerstag vor Journalisten sagte.
16.11.2017 15:28

Die Digitalisierung habe in den letzten zehn Jahren zwar mehr Beschäftigung geschaffen, mit Blick auf das BIP-Wachstum oder die Unternehmensgewinne zeige sich aber ein anderes Bild. Laut UBS Chefökonom Daniel Kalt wirkt sich das digitale Zeitalter effektiv kaum auf das Wirtschaftswachstum oder die Profite aus, wie er an der Veranstaltung betonte.

INVESTITIONEN ERÖHEN

Um wirtschaftlich nicht abgehängt zu werden, wollen dennoch 44% der Unternehmen die Investitionen in Digitalisierungsprojekte in den kommenden fünf Jahren erhöhen, wie die Umfrage zeigt. Dabei setzt mit 87% die überwiegende Mehrheit der Firmen auf die Finanzierung von digitalen Vorhaben aus Eigenkapital.

Gerademal 2% seien bereit, Investitionen mit Fremdkapital zu stemmen. Gemäss Umfrage liege dies beispielsweise in der Baubranche oder im verarbeitenden Gewerbe daran, dass Banken eher zurückhaltend seien, wenn es um die Finanzierung von Digitalisierungsprojekten gehe. Generell bekunde aber eine grosse Mehrheit der Grossunternehmen und KMU keine Mühe Bankkredite für Investitionen zur Digitalisierung zu erhalten, wie Blessing ergänzt.

Mit Blick auf die einzelnen Branchen zeige sich zudem, dass bis 2022 insbesondere der öffentliche Sektor, die Energiebranche sowie die Finanz- und Immobiliendienstleister mit steigenden Investitionen rechnen. Als Bereiche mit Investitionsbedarf nennen die meisten Firmen insbesondere die mobilen Technologien und das Internet der Dinge (IoT).

Im Baugewerbe oder in der Logistikbranche gibt hingegen eine Mehrheit an, in den nächsten Jahren kein oder gleich viel Geld in die Digitalisierung zu stecken.

DEMOGRAFIE FÖRDERT WANDEL

Neben den Digitalisierungseffekten habe aber auch die Alterung der Gesellschaft einen entscheidenden Einfluss auf die in den nächsten Jahren anstehenden strukturellen Veränderungen. Die Kombination von Digitalisierung und Alterung dürfte demnach zu einer starken Verschiebung der Beschäftigung zwischen den Sektoren führen.

Dieser Prozess sei bereits heute im Gange und beispielsweise im US-amerikanischen Retailgeschäft beobachtbar. Aber auch in der Schweiz zeige sich, dass der Detailhandel zunehmend unter Digitalisierungsdruck stehe, resümiert Kalt.

sta

(AWP)