DIW sieht Deutschland in "Wohlfühlkonjunktur"

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) befürchtet keine Überhitzung der Konjunktur. Es hob seine Prognose für das Wachstum des deutschen Bruttoinlandproduktes in diesem Jahr von 1,4 auf 1,5 Prozent an und geht für 2018 weiterhin von 1,7 Prozent aus.
14.06.2017 10:37

"Derzeit befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer Wohlfühlkonjunktur", erklärten die Berliner Forscher am Mittwoch. Die Zahl der Beschäftigten habe historische Höchststände erreicht und klettere kräftig weiter, die Einkommen der privaten Haushalte stiegen und die öffentlichen Kassen seien prall gefüllt. Die Produktionskapazitäten der Unternehmen seien zudem gut ausgelastet.

"Von einer drohenden Überhitzung der Wirtschaft kann keine Rede sein", betonte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. "Im Gegenteil: Die schwachen Investitionen schaden Deutschland und reduzieren die langfristige Wettbewerbsfähigkeit."

Zudem dürften die Reallöhne schwächer wachsen als in den vergangenen Jahren. Das verhindere den Abbau der enormen Exportüberschüsse: Die Leistungsbilanz dürfte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr bei etwa acht Prozent des Bruttoinlandproduktes liegen, was an vergleichsweise niedrigen Importen liege. Die EU-Kommission erachtet Überschüsse von dauerhaft mehr als sechs Prozent für gefährlich, weil dann zu grosse Ungleichgewichte entstehen.

Das DIW warnt auch vor weltweiten Konjunkturrisiken. In Italien gebe es anhaltende politische Spannungen, die Brexit-Verhandlungen sorgten für Unsicherheit und ausgehend vor allem von den USA drohten protektionistische Massnahmen, erklärten die Ökonomen.

(AWP)