Einheitlicher Zahlungsverkehr birgt laut Studie Sparpotenzial für Unternehmen

(Ausführliche Fassung ergänzt um Befunde der Studie) - Sieben verschiedene Einzahlungsscheine, unterschiedliche Lastschriftsysteme, hohe Transaktionskosten: All das soll dank der Harmonisierung des Zahlungsverkehrs bald der Vergangenheit angehören. Banken und Postfinance vereinheitlichen ihre Systeme bis Ende dieses Jahres.
30.03.2017 12:30

Das bisherige Zahlungssystem leide vor allem aufgrund von sieben verschiedenen Einzahlungsscheinen und unterschiedlichen Lastschriftsystemen an hohen Transaktionskosten, teilten die Finanzdienstleisterin SIX und die Bankeninitiative PaymentStandards.ch am Donnerstag anlässlich einer Medienkonferenz mit. Dies soll nun dank der Harmonisierung des Zahlungsverkehrs bald der Vergangenheit angehören.

ZAHLUNGSPROZESS VOLLAUTOMATISIERT

Die Umstellung betrifft auch Firmenkunden. Diese haben für die Anpassungen Zeit bis spätestens Mitte 2018. Konkret müssen Finanzinstitute und Unternehmen ihre Systeme auf die Norm ISO 20022 umstellen. Diese Norm definiert ein einheitliches Datenformat und damit eine Einheitssprache, die von allen Marktteilnehmern verstanden wird. Die EU hat ihren Euro-Zahlungsverkehr bereits 2014 auf diese Norm umgestellt, auch in Ländern wie Japan und Australien kommt sie zum Einsatz.

Die unterschiedlichen Kontonummern der Schweizer Finanzinstitute werden bei der Umstellung durch die internationalen Kontonummern IBAN ersetzt. Im Zuge der Harmonisierung werden auch die unterschiedlichen Lastschriftverfahren der Postfinance und der anderen Banken vereinheitlicht. Der gesamte Zahlungsprozess vom Rechnungssteller zum Rechnungsempfänger soll standardisiert und durchgehend automatisiert werden.

Darüber hinaus sollen auch die sieben verschiedenen Einzahlungsscheine verschwinden. Sie werden abgelöst von einem digital lesbaren QR-Code, der alle Daten für die Zahlung beinhaltet. Die QR-Rechnung kann allerdings erst eingeführt werden, wenn die Umstellung auf die Norm schweizweit abgeschlossen ist. Der genaue Zeitplan für die Einführung der QR-Rechnung soll am 27. April bekannt gegeben werden.

GROSSES SPARPOTENZIAL FÜR KMU

Die Einführung des neuen Zahlungsstandards ISO 20022 birgt zudem laut einer Studie von Deloitte ein Sparpotenzial für alle Schweizer Unternehmen von knapp 200 Mio CHF pro Jahr. Bei privaten Unternehmen sei zu erwarten, dass durch die Umstellung auf ISO 20022 vor allem Prozesskosten, aber auch Nachforschungsaufträge und Kapitalkosten substanziell reduziert werden, sagt Johannes Schlotmann, Studienleiter bei Deloitte.

Konkret erwartet Deloitte durch die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs ein jährliches Sparpotenzial von 197 Mio CHF für die insgesamt rund 567'000 privaten Unternehmen. Überproportional könnten zudem laut Studie KMUs profitieren, da diese im Vergleich zu Grosskonzernen einen vergleichsweise geringen Automatisierungsgrad im Zahlungsverkehr aufweisen, so Schlotmann.

IN 2,5 JAHREN AMORTISIERT

Allerdings hätten diese auch vergleichsweise höhere Kosten zu tragen, um den Zahlungsstandard ISO 20022 umzusetzen. Für alle am Schweizer Zahlungsverkehr beteiligten Akteure rechnet die Studie mit Umstellungskosten von rund 1 Mrd CHF. Etwa die Hälfte davon dürfte laut Schlotmann auf die privaten Unternehmen entfallen.

Werden diese Kosten den möglichen Einsparungen gegenübergestellt, so sei von einer durchschnittlichen Amortisationszeit von 2,5 Jahren für private Unternehmen zu rechnen, resümiert Schlotmann.

sta/cf

(AWP)