Einkaufsmanagerindex Industrie im September weiter unter der Wachstumsschwelle

Die Stimmung in der Schweizer Industrie hat sich erneut verschlechtert. Der Einkaufsmanager-Index (PMI) des Sektors ist im September um 2,6 Punkte auf 44,6 Zähler gesunken. Der PMI des Dienstleistungssektor konnte indes um 1,1 Indexpunkte auf 56,4 Zähler zulegen.
01.10.2019 10:00

In der Industrie rückt die Marke von 50 Punkten, die als Wachstumsschelle definiert ist, damit weiter weg als noch im August, als der PMI gegenüber dem Vormonat Juli zulegen konnte.

Mit 44,6 Punkten liegt der PMI somit zwar nur marginal (0,1 Punkte) unter dem Stand vom Juli 2019, hat dieses tiefe Niveau aber das letzte Mal vor zehn Jahren im Juli 2009 erreicht, wie die Credit Suisse (CS) am Dienstag mitteilte.

So niedrig habe der PMI weder während der Rezession in der Eurozone im Jahr 2012 noch infolge der deutlichen Aufwertung des Schweizer Frankens im Januar 2015 notiert.

Die Grossbank berechnet diesen Index gemeinsam mit dem Fachverband für Einkauf und Supply Management (procure.ch). Von der Nachrichtenagentur AWP befragte Ökonomen hatten mit einem Wert zwischen 45 und 47 Punkten gerechnet. Im Vergleich zu vor einem Jahr liegt der Index mittlerweile 15,3 Punkte tiefer.

Weniger Aufträge

Zurückzuführen ist der gesunkene PMI der Industrie laut der CS vor allem auf den tieferen Auftragsbestand sowie die geringere Produktion. Letztere habe in Bezug auf die entsprechende Subkomponente unterhalb der Wachstumsschwelle weiter nachgegeben und stehe 1,8 Punkte tiefer bei mittlerweile 44,9 Zählern. Markant beschleunigt habe sich zudem der Schwund des Auftragsbestands. Diese Subkomponente gab laut der Grossbank im September mit 6,2 Punkten deutlich nach und schloss auf 41,2 Zählern.

Angesichts der verschlechterten Auftragslage hätten sich die Unternehmen auch beim Einkauf zurückgehalten. Die entsprechende Subkomponente schloss 2,9 Punkte tiefer auf 37,6 Zählern und damit auf dem tiefsten Stand seit Mai 2009. Dementsprechend sei davon auszugehen, dass die Produktion in den kommenden Monaten schwach bleiben dürfte, hiess es dazu.

Nach wie vor robust präsentiere sich jedoch die Lage am Arbeitsmarkt. Die Subkomponente "Beschäftigung" notierte gemäss CS im September nur unwesentlich unterhalb der Wachstumsschwelle auf 49,6 Zählern. Die Industrieunternehmen würden somit nach wie vor kaum Personal abbauen.

Dienstleistungssektor wächst weiter

Gestützt werde die Konjunktur derweil weiterhin von den Dienstleistern. Dieser Sektor hab sogar etwas an Schwung gewonnen, hiess es. Der PMI des Dienstleistungssektors liege mit dem Wert von 56,4 Zählern deutlich in der Wachstumszone. Dies sei seit Oktober 2016 mit Ausnahme vom Juli 2019 immer der Fall gewesen, schrieb die CS.

Zu verdanken sei das wieder erstarkte Wachstum insbesondere der Subkomponente "Geschäftstätigkeit". Wieder zugenommen hätten demnach sowohl die Neuaufträge als auch der Auftragsbestand, was eine solide Grundlage für eine weiterhin gute Dienstleistungskonjunktur sei.

Zudem hätten die Dienstleister - wenn auch auf tiefem Niveau - im September wieder mehr Personal eingestellt. Die entsprechende Subkomponente schwanke seit mehreren Monaten um die Wachstumsschwelle, hiess es dazu.

Zusammengefasst zeige dies, dass sich die Industrierezession nach wie vor verhältnismässig wenig auf die binnen- und konsumorientierten Dienstleister auszuwirken scheine: "Eine generelle Eintrübung der Arbeitsmarktlage würde dies aber wohl rasch ändern", warnten die Ökonomen. Solange aber kein breiter Stellenabbau in Sicht sei, dürfte die Schweizer Wirtschaft laut der CS mit einer insgesamt schwachen Dynamik weiter wachsen.

sta/tt

(AWP)