EU-Firmen glauben nicht an Chinas Zusagen für offene Märkte

Als Antwort auf die Abschottung von US-Präsident Trump wirbt Peking für offenen Handel und Globalisierung. Europäische Unternehmen in China rechnen dennoch nicht damit, dass sie in der zweitgrössten Volkswirtschaft bald fairer behandelt werden.
31.05.2017 15:58

Trotz Chinas Zusagen, sich für freien Handel und Globalisierung stark zu machen, sehen sich europäische Firmen in der zweitgrössten Volkswirtschaft nach wie vor deutlich benachteiligt. Das Umfeld bleibe "eine Herausforderung", heisst es in einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Europäischen Handelskammer in Peking.

Schwieriger, statt einfacher

Beinahe 50 Prozent der befragten Firmen gaben demnach an, dass es für sie im vergangenen Jahr schwieriger geworden sei, in China Geschäfte zu machen. Jedes zweite Unternehmen würde sich zudem weniger willkommen fühlen als noch bei der Ankunft.

Als Reaktion auf die Abschottungstendenzen der USA unter Präsident Donald Trump hatte die chinesische Führung in den vergangenen Monaten immer wieder betont, die Öffnung der Märkte vorantreiben zu wollen. Zumindest die EU-Firmen scheinen nicht an diese Zusagen zu glauben.

Nur 15 Prozent der Befragten rechneten laut Umfrage damit, dass die Hürden für Geschäfte in China in den kommenden fünf Jahren reduziert werden - 40 Prozent gingen sogar von einer Verschlechterung aus.

"Unsere Mitglieder sehen nicht, dass faire Wettbewerbsbedingungen geschaffen wurden", sagte EU-Kammer-Präsident Mats Harborn anlässlich der Präsentation der Studie, an der rund 570 Firmen teilnahmen. Die Probleme in der Wirtschaftskooperation der Länder werden auch beim EU-China-Gipfel in Brüssel an diesem Donnerstag eine Rolle spielen.

Ungleiche Massstäbe

Als eines der Kernprobleme wurde wie schon in der Vergangenheit eine unfaire Behandlung im Vergleich zu heimischen Firmen genannt. 61 Prozent der EU-Firmen gaben etwa an, dass Umweltauflagen bei ihnen strenger als bei chinesischen Konkurrenten kontrolliert würden.

"Besorgniserregend" nannte die Kammer auch die ungleichen Investitionsbedingungen, wonach es Chinesen einfach hätten, in Europa Firmen zu übernehmen, andersherum aber grosse Beschränkungen bestünden. Im vergangenen Jahr seien Chinas Investitionen in die EU so um 77 Prozent auf mehr als 35 Milliarden Euro gestiegen. Investitionen in die entgegengesetzte Richtung gingen derweil um 23 Prozent auf acht Milliarden Euro zurück.

Kammer-Präsident Mats Harborn rief China und die EU dazu auf, ein Investitionsabkommen, das Regeln zur Marktöffnung vorschreiben soll, schnell unter Dach und Fach zu bringen.

Bessere Wachstumschancen

Trotz anhaltender Klagen über Benachteiligungen schätzen die EU-Firmen ihre Wachstumschancen in China wieder besser ein als noch vor einem Jahr. "Der Pessimismus ist in Teilen zurückgegangen", so die Kammer-Analyse. Demnach gaben 55 Prozent der Firmen an, dass sie ihre künftigen Wachstumsaussichten als "positiv" bewerten. Noch im vergangenen Jahr hatte dieser Wert bei lediglich 44 Prozent gelegen.

Die Stimmung habe sich gebessert, weil der Zustand der Wirtschaft nicht mehr ganz so düster eingeschätzt werde wie zum Zeitpunkt der letzten Befragung. Mehr als 60 Prozent der Unternehmen gaben jedoch nach wie vor das langsamere Wirtschaftswachstum in China als ihre grösste Sorge an. Für Unsicherheit würde auch die rasant steigende Verschuldung des Landes sorgen.

(AWP)