Eurozone: Inflationsrate wieder bei zwei Prozent - Vierjahreshoch

(Ausführliche Fassung) - Die Inflationsrate im Euroraum hat erstmals seit Januar 2013 eine zwei vor dem Komma. Die Verbraucherpreise seien um 2,0 Prozent zum entsprechenden Vorjahresmonat gestiegen, teilte das Statistikamt Eurostat am Donnerstag in Luxemburg mit. Der Anstieg war von Volkswirten erwartet worden. Im Januar hatte die Rate noch bei 1,8 Prozent gelegen. Ökonomen erwarten allerdings keine rasche geldpolitische Wende durch die Europäische Zentralbank (EZB), da im weiteren Jahresverlauf wieder sinkende Inflationsraten zu erwarten seien.
02.03.2017 12:13

Deutlich teurer als vor einem Jahr war im Februar Energie, nachdem diese wichtige Komponente die allgemeine Preisentwicklung lange gedämpft hatte. Die Energiepreise legten um 9,2 Prozent im Jahresvergleich zu. Stark stiegen auch die Preise für unverarbeitete Lebensmittel, die um 5,2 Prozent teurer wurden. Die Kerninflationsrate, die schwankungsanfällige Lebensmittel und Energiepreise ausschliesst, verharrte wie erwartet bei 0,9 Prozent. Die EZB hat zuletzt die Fortführung ihrer expansiven Geldpolitik auch mit der niedrigen Kerninflationsrate begründet.

KEINE EZB-TRENDWENDE IN SICHT

Die Notenbank strebt für den Euroraum eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent an. Das Ziel ist also zunächst erreicht. Bislang macht die Notenbank aber keine Anstalten, wegen des etwas stärkeren Preisauftriebs eine Straffung ihrer Geldpolitik zu signalisieren. Schliesslich hatte Notenbankchef Mario Draghi vor nicht allzu langer Zeit vor Deflationsgefahren gewarnt.

Tatsächlich erwarten Ökonomen, dass die Gesamtteuerungsrate in den nächsten Monaten wieder sinkt. "Da die inflationstreibenden Energiepreiseffekte nun auslaufen, geht es in den kommenden Monaten mit den Teuerungsraten bereits wieder bergab", erklärte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. "Letztlich handelte es sich beim Inflationsanstieg also um ein kurzes Intermezzo." Erst wenn die derzeit noch magere Kerninflation anzieht werde die EZB grünes Licht geben. Voraussetzung dafür seien politische Reformen in Italien und Frankreich. Tatsächlich lag die Inflationsrate in Italien im Februar mit 1,6 Prozent und in Frankreich mit 1,4 Prozent merklich unter dem Schnitt der Eurozone. In Frankreich war sie sogar rückläufig. In Deutschland hingegen stieg sie auf 2,2 Prozent.

NOTENBANK DÜRFTE PROJEKTIONEN ANHEBEN

"Der Anstieg der Gesamtteuerungsrate kommt nicht überraschend und sollte nicht mit einem generellen Inflationstrend verwechselt werden", sagte Ralf Umlauf, Ökonom bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die unverändert auf niedrigem Niveau liegende Kernteuerung beweise dies. "Angesichts dessen dürfte die EZB in der nächsten Zeit deutlich machen, dass sie zunächst an der ultra-expansiven Geldpolitik festhält, auch wenn die Kritik daran in Deutschland sehr deutlich ausfällt."

Auch bei der nächsten Sitzung der EZB am 9. März erwarten Beobachter keine grundlegenden neuen Signale. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny betonte zuletzt, dass die EZB frühestens im Juni den aktuellen geldpolitischen Kurs neu bewerten wird. Allerdings dürfte die Notenbank angesichts des jüngsten Preisauftriebs ihre Inflationsprojektionen anheben. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hatte zuletzt klar gemacht, dass die bisherigen Prognosen der Notenbank für das Jahr 2017 zu niedrig sind. Bisher geht die EZB von einer Inflationsrate von 1,3 Prozent im Gesamtjahr aus./jsl/tos/mis

(AWP)