Eurozone: Stimmung bei Dienstleistern vor Brexit weniger trüb als erwartet

LONDON (awp international) - Die Stimmung im Dienstleistungssektor der Eurozone hat sich im Juni vor der britischen Abstimmung über einen Austritt aus der Europäischen Union weniger als erwartet eingetrübt. Der entsprechende Einkaufsmanagerindex sei von 53,3 Punkten im Vormonat auf revidierte 52,8 Punkte gefallen, wie das Forschungsinstitut Markit am Dienstag nach einer zweiten Umfrage mitteilte. In einer ersten Schätzung war ein Rückgang auf 52,4 Punkte ermittelt worden. Volkswirte hatten hier eine Bestätigung dieser Zahl erwartet. Die Ergebnisse des Brexit-Referendums sind laut Markit noch kaum in die Umfrage eingegangen.
05.07.2016 10:55

Positiv überraschten Italien und Spanien. In Italien signalisiert der Wert jetzt eine wirtschaftliche Expansion. In beiden Ländern wird keine Erstschätzung durchgeführt.

In Deutschland ist der Indikatorwert im Vergleich zum Vormonat zwar gefallen, liegt aber merklich höher als noch in der Erstschätzung ermittelt. Es signalisiert weiterhin ein robustes Wachstum des Sektors. In Frankreich hingegen liegt der Indikator knapp unterhalb der Wachstumsschwelle. Experten machten hierfür auch die jüngste Streikwelle verantwortlich. Markit spricht vom "Sorgenkind" der Eurozone.

Bereits am Freitag hatte Markit eine Aufhellung des entsprechenden Indikators für die Industrie gemeldet. Der Gesamtindikator für die Eurozone, der sich auf die Industrie und den Dienstleistungssektor bezieht, stagnierte bei 53,1 Punkten. Hier war zunächst ein Rückgang auf 52,8 Punkte ermittelt worden.

"Dass es keinerlei Anzeichen für einen Aufwärtstrend gibt, dürfte Geldpolitikern umso mehr Sorgen bereiten, als auch die durch den Brexit ausgelöste Unsicherheit das Wachstum in den nächsten Monaten belasten könnte", kommentierte Chris Williamson, Chefvolkswirt von Markit die Daten. Sämtliche Umfragerückmeldungen aus der Industrie und 90 Prozent aus dem Servicesektor seien im Juni vor dem britischen EU-Referendum abgegeben worden. Die Folgen dürften sich also erst zeigen.

Region/Index       Juni       Prognose           Juni           Mai

                         (endg)                          (vorl)

EURORAUM
Gesamt                 53,1          52,8           52,8          53,1
Dienste                 52,8          52,4           52,4          53,3
Verarb. Gew.          52,8          52,6           52,6          51,5

DEUTSCHLAND
Dienste                 53,7          53,2           53,2         55,2
Verarb. Gew.          54,5          54,4           54,4          52,1

FRANKREICH
Dienste                 49,9            49,9          49,9          51,6
Verarb. Gew.          48,3           47,9           47,9          48,4

ITALIEN
Dienste                  51,9           50,4           --            49,8
Verarb. Gew.           53,5           52,4           --            52,4

SPANIEN
Dienste                  56,0           55,0           --             55,4
Verarb. Gew.           52,2           52,0           --             51,8

(Angaben in Punkten. In Italien und Spanien werden keine vorläufigen Zahlen veröffentlicht.)

/jsl/bgf/fbr

(AWP)