EY Bankenbarometer: Banken spüren Margendruck stärker - Negativzinsen belasten

(Mit weiteren Details und Aussagen aus der Medienkonferenz ergänzt) - Die Schweizer Banken bekommen den Margendruck zunehmend zu spüren. Zwar bezeichnet eine klare Mehrheit der Institute die Geschäftsentwicklung laut dem Bankenbarometer 2017 der Beratungsgesellschaft EY weiterhin als positiv. Die meisten Banken rechnen aber für die kommenden Jahren mit sinkenden Renditen. Die Negativzinsen werden dabei als immer stärkere Belastung empfunden. Immer mehr Banken schliessen nun auch negative Sparzinsen in ihre Überlegungen ein.
05.01.2017 14:15

Mehrheitlich zeigen sich die Banken laut dem Bankenbarometer 2017 noch mit ihren operativen Ergebnissen zufrieden. "Die Banken zeigen eine hohe Widerstandsfähigkeit", sagte Patrick Schwaller, Partner bei EY, am Donnerstag bei der Präsentation der Ergebnisse. 80% (Vorjahr 81%) der befragten Institute erzielten danach im abgelaufenen Jahr nach eigener Einschätzung gute operative Ergebnisse. Und für das laufende Jahr erwarten noch immer 68% (Vorjahr 75%) der Institute einen Anstieg der operativen Geschäftsergebnisse.

Relativ positiv wird der Geschäftsverlauf vor allem von den Retailbanken, also den Kantonal- und Regionalbanken beurteilt, die von einer weiterhin intakten Nachfrage nach Hypotheken profitieren können. Bei den Privatbanken erlebte dagegen immerhin gut ein Drittel (35%) in den vergangenen Monaten eine rückläufige Geschäftsentwicklung und fast die Hälfte (47%) rechnet in den nächsten zwölf Monaten mit einer Verschlechterung. Befragt wurden 120 Führungskräfte verschiedener Banken in der ganzen Schweiz.

NEGATIVZINSEN BELASTEN

Zunehmend setzen die Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) den Instituten zu. Auch die Kantonal- und die Regionalbanken, die dank den Freigrenzen auf ihren SNB-Guthaben zunächst recht gut mit der neuen Situation umgingen, hätten zunehmend mit den negativen Effekten zu kämpfen, sagte Schwaller. So sei der Margendruck im Kreditgeschäft gestiegen, wo die Konkurrenz durch branchenfremde Akteure wie Pensionskassen und Versicherer zunehme. "Zunehmend haben auch die Retailbanken mit den negativen Effekten der Zinssituation zu kämpfen."

Laut der Umfrage stellen immer mehr Institute Überlegungen an, die Negativzinsen an die Privatkunden zu überwälzen. Noch immer sei zwar eine Mehrheit gegen eine solche Massnahme: "Viele Institute befürchten einen Bank-Run, also einen massiven Abzug der Gelder", sagte Schwaller.

Bereits 35% (Vorjahr 30%) der Institute zeigten sich aber offen für Negativzinsen auf Kundenguthaben - etwa für besonders hohe Guthaben (ab 250'000 CHF) oder für den Fall einer weiteren SNB-Zinssenkung. Auffallend ist dabei ein Gesinnungswandel der Kantonalbanken: Hatten im Vorjahr noch 80% der staatlichen Institute Negativzinsen für ihre Sparer klar abgelehnt, so schlossen nun 60% in der Umfrage einen solchen Schritt nicht aus.

EFFIZIENZSTEIGERUNGEN

Um die Profitabilität zu halten, verstärken die Banken den Fokus auf Kosten und Effizienz. Laut Umfrage planen 15% (Vorjahr 11%) der Banken, die Zahl der Beschäftigten um 5% oder mehr zu reduzieren, bei den Privatbanken sind es sogar 26%. 95% (Vorjahr 85%) der befragten Institute rechnen damit, dass es bis zum Jahr 2020 deutlich weniger Bankfilialen geben wird.

Trotz der Diskussionen um die Digitalisierung im Finanzgeschäft glauben die EY-Berater, dass nur eine Minderheit der Banken das Potenzial des tiefgreifenden Strukturwandels erkannt hat. Eine Mehrheit glaube noch, dass die Digitalisierung in erster Linie einen zusätzlichen Vertriebskanal bedeute. Dabei werde diese fundamentale Auswirkungen auf Strategien, Geschäftsmodelle und Geschäftsprozesse haben, gab sich EY-Partner Olaf Töpfer überzeugt.

KEINE GRÖSSEREN ABFLÜSSE WEGEN AIA

Die Einführung des Automatischen Informationsaustauschs (AIA) hat laut der Umfrage für die Schweizer Banken nicht zu starken Vermögensabflüssen geführt. 71% (Vorjahr 66%) der befragten Institute gaben an, in den letzten zwölf Monaten keine bedeutenden Abflüsse ausländischer Kundengelder verzeichnet zu haben. Den Banken gelinge es weiterhin auch, neue Vermögenswerte anzuziehen, so EY. Dabei profitierten sie von Standortvorteilen der Schweiz wie Stabilität und Sicherheit.

tp/cp

(AWP)