EZB-Chef deutet weitere Mini-Schritte Richtung Kurswende an

Der Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi sieht die Zukunft der Eurozone optimistisch. Nach Jahren der Unsicherheit herrsche in Europa nun neues Vertrauen, sagte Draghi am Dienstag bei der jährlichen Tagung der Europäischen Zentralbank im portugiesischen Sintra.
27.06.2017 16:20

"Es gibt ein neues Vertrauen in den Reformprozess und eine neue Unterstützung des europäischen Zusammenhalts, was dazu beitragen kann, aufgestaute Nachfrage und Investitionen freizusetzen", sagte er.

Draghi warnte zugleich davor, die expansive Geldpolitik der EZB zu verändern. Zwar drohe keine Deflation mehr. Aber "die Dynamik der Inflation ist noch nicht dauerhaft und selbsterhaltend", sagte der EZB-Chef. "Deshalb muss unsere Geldpolitik beständig bleiben." Gleichzeitig sprach sich Draghi für eine schrittweise Anpassung der Geldpolitik aus.

Marktbeobachter deuteten Draghis Optimismus als Ankündigung weiterer Mini-Schritte in Richtung Eindämmung der Geldflut. Die EZB hatte jüngst bereits einen kleinen Schritt in Richtung Kurswende gewagt, indem sie die bislang stets erwähnte Option auf noch tiefere Zinsen aus ihrem Ausblick strich.

In der EU sieht Draghi einen "grossen Unterschied" der Stimmung im Vergleich zum vergangenen Jahr. Das Brexit-Votum der Briten im vergangenen Jahr hatte populistischen Stimmen in der EU Auftrieb gegeben. Die Wahl von Emmanuel Macron zum französischen Präsidenten im Mai stärkte nun wieder die Stimmen des pro-europäischen Lagers. Macron steht für eine stärkere Integration Europas.

"Die schweigende Mehrheit Europas hat wieder eine Stimme", sagte Draghi. Die Aussichten für wirtschaftliche Erholung hätten sich verbessert, und die Stimmen, die den Niedergang von EU und Euro forderten, seien zu kaum hörbaren "Flüsterern" geworden.

(AWP)