EZB-Direktor sieht zinspolitische Wende nicht mehr weit entfernt

Frankfurt (awp/sda/reu) - Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert nach Worten von EZB-Direktor Yves Mersch auf eine Abkehr von ihrer ultralockeren Zinspolitik zu. "Wir sind wahrscheinlich nicht mehr weit von dem Zeitpunkt entfernt, an dem wir eine solche Aussage machen können", sagte Mersch.
17.11.2016 11:16

Auf der nächsten Zinssitzung der Notenbank werde besprochen, ob ein langsames Zurückfahren der Anleihenkäufe angebracht sei, sagte der EZB-Direktor am Donnerstag auf einer Investmentveranstaltung in Frankfurt. Im Augenblick sei dies aber "in Anbetracht der Fragilität des europäischen Wachstumspfades noch leicht verfrüht". Man könne grossen Schaden anrichten, wenn man zu früh zu stark reagiere.

"Wie Sie gesehen haben, hat sich auch die amerikanische Zentralbank sehr behutsam an eine Normalisierung herangetastet", sagte Mersch. Die Europäische Zentralbank werde dies ebenfalls mit der gebotenen Behutsamkeit tun.

Mersch betonte zugleich, dass die inzwischen auf 1,74 Billionen Euro angelegten Anleihenkäufe nicht von Dauer seien. "Sie sind als temporäre Massnahmen eingesetzt worden und müssen daher so bald wie möglich wieder zurückgefahren werden." Angesichts der Volumina der Kaufprogramme werde dafür allerdings einige Zeit erforderlich sein.

Wann die EZB ihr Anleihenkaufprogramm beendet, ist auch für die Schweizer Geldpolitik bedeutend. Die ultralockere Zinspolitik der EZB schwächt den Euro gegenüber dem Franken. Deshalb dürften die Schweizer Währungshüter das Vorgehen ihrer europäischen Kollegen abwarten, bevor sie etwa die Zinsen wieder anheben.

(AWP)