EZB-Direktoriumsmitglied Coeure rechnet mit Aus für 500er

(Ausführliche Fassung)
14.02.2016 11:19

BERLIN (awp international) - Geht es nach EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure dann dürften die Tage des lilafarbenen 500ers gezählt sein. "Ich persönlich sage: Wir haben heute weniger Gründe als bei Einführung des Euros, den 500-Euro-Schein beizubehalten, weil der elektronische Zahlungsverkehr heute viel wichtiger ist", sagte Coeure der Zeitung "Rheinische Post" (Samstagausgabe). "Uns wird gesagt, dass der Schein zunehmend kriminellen Geschäften dient. Deshalb glaube ich, dass der 500-Euro-Schein letztendlich abgeschafft wird, aber das muss auf bedachte Weise geschehen", sagte der Franzose.

Allerdings gehen die Meinungen zu diesem Thema unter den führenden Notenbankern der Eurozone auseinander - und eine Abschaffung der grössten der insgesamt sieben Euro-Banknoten müsste der EZB-Rat beschliessen. In diesem obersten Entscheidungsgremium der Europäischen Zentralbank sitzen die sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums sowie die Chefs der 19 nationalen Notenbanken der Eurozone. Und in deren Reihen gibt es auch Gegner der Abschaffung. So ist Bundesbank-Präsident Jens Weidmann skeptisch, ob eine Abschaffung der 500ers wie auch ein Verbot grösserer Bargeldgeschäfte tatsächlich kriminelle Aktivitäten eindämmen können.

Die EU-Finanzminister hatten bei ihrem jüngsten Treffen am Freitag in Brüssel deutlich gemacht, dass sie von der EZB "angemessene Massnahmen" mit Blick auf den 500-Euro-Schein erwarten. Das EZB-Direktorium beschäftigt sich nach früheren Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi schon länger mit dem Thema.

Bankexperte Hans-Peter Burghof sieht im Bargeld einen wichtigen Stabilisierungsfaktor für den Wirtschaftskreislauf. "Wenn Zahlungen nur noch unbar über digitale Systeme abgewickelt werden, ist die gesamte Volkswirtschaft von diesen Systemen abhängig", sagte der Professor für Bankwirtschaft, dem "Tagesspiegel am Sonntag". "Fallen sie aus, bricht faktisch die ganze Wirtschaft zusammen."/kf/DP/zb

(AWP)