EZB-Präsident verteidigt vor deutschem Bundestag Nullzinspolitik

BERLIN (awp international) - EZB-Chef Mario Draghi hat vor Bundestags-Abgeordneten die in Deutschland umstrittene Niedrigzinspolitik verteidigt. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gewährleiste Preisstabilität und habe der Gefahr einer neuerlichen "Grossen Depression" entgegengewirkt, sagte Draghi am Mittwoch in Berlin vor Vertretern von Bundestags-Ausschüssen laut Redemanuskript. "Unsere Massnahmen greifen: Sie tragen dazu bei, dass sich die Erholung fortsetzt und Arbeitsplätze entstehen; sie sorgen also für einen Aufschwung, von dem letztlich auch die Sparer und Rentner in Deutschland und im Euroraum insgesamt profitieren."
28.09.2016 17:01

Draghi betonte, er nehme Bedenken ernst. Aber unterm Strich gehe es Sparern, Arbeitnehmern, Unternehmern, Rentnern und Steuerzahlern im gesamten Eurogebiet - auch in Deutschland - dank der EZB-Massnahmen besser, "und zwar jetzt und in Zukunft". In Deutschland komme dies dem Exportgeschäft zugute. Was zudem ein privater Haushalt durch niedrige Zinsen auf Bankguthaben einbüsse, spare er vielleicht durch geringere Kreditzahlungen für sein Haus. Für einen Anstieg langfristiger Zinsen seien mehr Investitionen und Strukturreformen nötig - zur Steigerung von Wachstum und Produktivität.

Mit Blick auf Vorwürfe, die Lage einiger deutscher Banken sei auf die Politik der EZB zurückführen, sagte Draghi: "Die Geldpolitik der EZB ist nicht der Hauptfaktor für die geringe Rentabilität der Banken.". Es werde vergessen, dass viele Institute die sinkenden Zinserträge durch mehr Kredite, einen besseren Schuldendienst und einen geringeren Zinsaufwand mehr als ausgleichen könnten. Einige Banken müssten ihre Geschäftsmodelle möglicherweise an das derzeitige Niedrigzinsumfeld anpasse, aber auch ihre eigenen strukturellen Probleme angehen./sl/DP/jsl

(AWP)