EZB-Rat Nowotny stellt US-Ausstiegsmodell aus Geldschwemme zur Diskussion

Das EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny hat das amerikanische Modell eines Ausstiegs aus der extrem lockeren Geldpolitik für die Eurozone zur Diskussion gestellt und damit an den Märkten Spekulationen über einer schnellere Zinserhöhung ausgelöst. Es müsse diskutiert werden, ob sich das Modell der US-Notenbank beim Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik "eins zu eins auf Europa übertragen lässt", sagte Nowotny in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit dem "Handelsblatt". In den USA wurden die Zinsen erst erhöht, nachdem das Anleihekaufprogramm beendet war.
17.03.2017 09:37

Am Markt wurden die Aussagen von Nowotny als Hinweis gedeutet, dass die EZB den Einlagensatz erhöhen könnte, bevor sie ihr Kaufprogramm für Anleihen beendet hat. Der Einlagensatz liegt derzeit bei minus 0,4 Prozent und gibt an, wie viel Geschäftsbanken für bei der EZB geparktes Geld zahlen müssen.

KREISE: MÖGLICHE ZINSERHÖHUNG DISKUTIERT

Zuvor hatte bereits die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insiderkreise aus der Europäischen Zentralbank (EZB) berichtet, dass im geldpolitischen Rat der Notenbank über eine mögliche Zinserhöhung vor dem Auslaufen des Anleihekaufprogramms diskutiert worden sei.

Nowotny machte in dem Interview auch deutlich, dass die EZB nicht alle Zinsen gleichzeitig und im selben Umfang erhöhen müsse. "Die Struktur der Zinssätze muss nicht immer konstant bleiben", sagte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank. "Die EZB könnte auch den Einlagenzins früher erhöhen als den Leitzins"./jkr/tos

(AWP)