EZB-Ratsmitglied warnt vor zu spätem Kurswechsel

EZB-Ratsmitglied Ardo Hansson warnt vor einem zu späten Kurswechsel der Europäischen Zentralbank. Sollte zu lange gewartet werden, bestehe die Gefahr von Verwerfungen, sagte Estlands Notenbank-Chef am Mittwoch in London, ohne jedoch Beispiele für die Risiken zu nennen.
15.11.2017 15:09

Aufgrund der verbesserten Konjunktur hält er einen behutsamen Richtungswechsel für gerechtfertigt. "Mit grösserer Zuversicht in die Aussichten für die Realwirtschaft gibt es einigen Spielraum für eine vorsichtige, aber offensichtliche Rekalibrierung der Geldpolitik."

Die EZB hatte im Oktober beschlossen, ihre vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe ab Januar auf 30 Milliarden Euro pro Monat zu halbieren. Die inzwischen auf 2,55 Billionen Euro angelegten Transaktionen, die aktuell das wichtigste Instrument der Notenbank im Kampf gegen eine aus ihrer Sicht noch zu niedrige Inflation sind, sollen dafür bis mindestens September 2018 fortgesetzt werden. Ökonomen erwarten danach ein Auslaufen der Käufe.

Die Wirtschaft in der Euro-Zone wachse stark und die EZB sei "mehr und mehr" zuversichtlich, dass die Inflation die angestrebten Niveaus erreichen werde, ergänzte Hansson. Ziel der EZB ist eine Teuerung von knapp zwei Prozent. Die Marke wird allerdings seit Jahren verfehlt. "Die Welt sieht für uns besser aus," sagte Hansson.

Bei der US-Notenbank Fed, die wegen der früher einsetzenden Konjunkturerholung bereits eine behutsame Straffung ihrer Geldpolitik eingeleitet hat, wird ähnlich argumentiert. Die stärkere Weltwirtschaft mache es für die Fed grundsätzlich leichter, so der Chef der Fed von Chicago, Charles Evans. Die Fed hat in diesem Jahr bereits zwei Mal die Leitzinsen angehoben und einen dritten Schritt bis Jahresende signalisiert, sollte die Konjunktur mitspielen.

Von Zinserhöhungen ist die Eurozone noch weit entfernt. Der Ausblick der EZB sieht bislang vor, dass die Leitzinsen noch weit über die Zeit der Anleihenkäufe auf dem aktuellen Niveau - dem Rekordtief von 0,0 Prozent - liegen werden.

Laut EZB-Chefökonom Peter Praet wird der Ausblick der Notenbank künftig wichtiger. Mit Fortschritten in Richtung des Inflationsziels und einem allmählichen Auslaufen der Anleihenkäufe werde die noch nötige geldpolitische Unterstützung für die Wirtschaft zunehmend durch den Zinsausblick kommen, sagte er in Frankfurt. "Letztendlich werden die Schlüsselzinsen ihren Status als Hauptinstrument der Geldpolitik wiedererlangen." Mit ersten Anhebungen rechnen Experten allerdings erst 2019.

(AWP)