EZB sieht weniger Wachstumsrisiken und schwache Inflation

(Ausführliche Fassung) - Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt sich etwas zuversichtlicher für die konjunkturelle Entwicklung im Euroraum. Zugleich wird die grundlegende Inflationsdynamik trotz höherer Inflationsraten als anhaltend schwach bewertet. Eine sehr lockere Geldpolitik sei deshalb nach wie vor angezeigt, sagte EZB-Präsident Mario Draghi nach der turnusmässigen Zinssitzung am Donnerstag in Frankfurt.
09.03.2017 15:45

Der unterliegende Preisdruck sei nach wie vor verhalten, sagte Draghi. Die zuletzt höhere Inflation sei vor allem auf steigende Energie- und Lebensmittelpreise zurückzuführen. Im Februar war die Inflationsrate im Euroraum auf 2,0 Prozent gestiegen, in Deutschland auf 2,2 Prozent. Dies entspricht in etwa dem Inflationsziel der EZB. Es gebe jedoch keine Anzeichen, dass sich die grundlegende Inflationsdynamik - also ausserhalb Energie und Lebensmitteln - verstärke, schränkte Draghi ein. Die für die Inflation entscheidende Lohnentwicklung habe noch nicht angezogen.

EZB ETWAS OPTIMISTISCHER

Mit Blick auf die konjunkturelle Entwicklung gibt sich die Notenbank zuversichtlicher. Die wirtschaftlichen Risiken seien weniger stark ausgeprägt, sagte Draghi, sie deuteten jedoch nach wie vor nach unten. Jüngste Stimmungsindikatoren zeigten ein etwas höheres Wachstumstempo an. Insgesamt habe sich das Risikoprofil für das Wirtschaftswachstum verbessert, sagte Draghi.

Grösserer Optimismus schlug sich auch in den Wachstums- und Inflationsprognosen der Notenbank nieder. Für 2017 und 2018 wurden die Projektionen sowohl für das Wirtschaftswachstum als auch für die Inflationsentwicklung angehoben. Für 2019 - das ist die für die EZB-Geldpolitik entscheidende mittlere Frist - blieben die Prognosen jedoch unverändert.

KEINE DEFLATIONSGEFAHREN

Auch in der Erklärung der Notenbank zum Zinsentscheid finden sich Hinweise auf eine etwas optimistischere Haltung der EZB. Draghi sagte dazu auf Rückfrage, dass sich die Notenbank nicht mehr in einer so dringlichen Lage sehe, ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Beispielsweise seien frühere Deflationsgefahren weitgehend verschwunden.

Draghi unterstrich auch, dass im EZB-Rat nicht über neue Langfristkredite (TLTROs) diskutiert worden sei, obwohl im März die letzte dieser Operationen durchgeführt wird. Es habe niemand im Rat die Notwendigkeit gesehen, über die Möglichkeit zusätzlicher TLTROs zu diskutieren, sagte Draghi. Auch dies kann als Ausdruck grösserer Zuversicht interpretiert werden.

LOCKERE GELDPOLITIK WIRD FORTGESETZT

Vor den Äusserungen des Notenbankchefs hatte die EZB ihre extrem lockere Geldpolitik bestätigt. Der wichtigste Leitzins beträgt damit weiterhin null Prozent. Für Einlagen bei der EZB müssen die Geschäftsbanken eine Art Strafzins zahlen, was die Kreditvergabe anheizen soll. Die Anleihekäufe zur Konjunkturbelebung werden unverändert bis mindestens Ende 2017 fortgeführt, ab April jedoch mit einem geringeren monatlichen Volumen von 60 Milliarden statt 80 Milliarden Euro. Signale einer baldigen Straffung ihrer Geldpolitik sendete die EZB nicht aus./bgf/jsl/he

(AWP)