EZB-Vize: Marktreaktion auf Votum nicht mit Lehman-Schock vergleichbar

SINTRA (awp international) - Aus Sicht des Vizepräsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) ist die Situation an den Finanzmärkten nach dem Brexit-Votum nicht mit der Lage zu Beginn der jüngsten Finanzkrise im Jahr 2008 vergleichbar. "Das Ergebnis des Referendums hat nicht zu einem systemischen Versagen der Finanzmärkte geführt", sagte Vitor Constancio am Mittwoch bei einer EZB-Veranstaltung in der portugiesischen Kleinstadt Sintra. Die Situation sei nicht mit der nach dem Lehman-Schock vergleichbar.
29.06.2016 18:49

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 markierte rückblickend den Höhepunkt der jüngsten weltweiten Finanzkrise, die in eine Wirtschaftskrise führte. Damals brach der sogenannte Interbankenmarkt komplett zusammen, weil sich die Banken mangels Vertrauen gegenseitig kein Geld mehr liehen.

Nach dem Brexit-Votum haben zwar einige Währung deutlich an Wert verloren und viele Aktienkurse sind abgestürzt. Der Interbankenmarkt ist aber intakt geblieben. Die Märkte seien nicht ausgetrocknet, sagte Constancio. Grossbritannien gehöre nicht zu den grössten Wirtschaftsräumen der Welt und das Pfund spiele international keine signifikante Rolle.

Dennoch bleibe das Brexit-Votum nicht ohne Folgen, so der EZB-Vize. Sollte Grossbritannien wegen des Brexit in eine Rezession schlittern, dürfte dies das Wachstum in der Eurozone alleine durch Effekte auf den Handel um 0,1 Prozentpunkte dämpfen. Politische Faktoren und mögliche Auswirkungen auf die Stimmung in der Wirtschaft seien dabei noch nicht mit berücksichtigt. Der Notenbanker bekräftigte, dass die EZB geeignete Mittel zur Hand habe, um im Fall der Fälle zwecks Stabilisierung der Wirtschaft zur Tat zu schreiten./tos/das

(AWP)