EZV: Pharmaindustrie beschert Aussenhandel Rekordüberschuss

(Meldung umfassend erweitert)
20.10.2016 14:31

Bern (awp/sda) - Die boomende Pharmaindustrie beschert dem Schweizer Aussenhandel einen Rekordüberschuss. Die Exporte übertrafen die Importe zwischen Juli und September um 10,2 Mrd CHF. Damit knackte der Überschuss in der Handelsbilanz erstmals die 10-Milliarden-Marke in einem Quartal.

Nach dem Taucher im Jahr 2015 wegen des Frankenschocks durch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses haben die Exporte im laufenden Jahr ständig zugelegt. In den ersten neun Monaten erreichten sie 157,6 Mrd CHF, wie Ökonom Matthias Pfammatter von der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Dies sei ein ein Plus von 5,4% im Vergleich zum Vorjahr.

Alleine im dritten Quartal kletterten die Ausfuhren um 6,4% auf 52,5 Mrd CHF. Damit halte der Aufwärtstrend seit dem Herbst 2015 an, teilte die EZV mit. Die Exporte würden saisonbereinigt wieder das Niveau vor der Aufhebung des Euro-Mindestkurses deutlich übertreffen.

PHARMAINDUSTRIE ALS LOKOMOTIVE

Lokomotive dieser Entwicklung sei erneut die florierende Pharmaindustrie, die alle anderen Branchen weit in den Schatten stellte. Diese sei zusammen mit der Chemieindustrie für über 80% des gesamten Mehrumsatzes verantwortlich,

Zwischen Juli und September wuchsen die Exporterlöse von Pharmazeutika, Vitaminen und Diagnostika um knapp 17% auf 20 Mrd CHF. Zum deutlichen Plus hätten unter anderem neue Wirkstoffe beigetragen, die erstmals in die Exportstatistik eingeflossen seien, sagte Pfammatter.

Noch kräftiger gewachsen sind die Bijouterie und Juwelierwaren (+19%). Allerdings sind deren Exporte mit knapp 3 Mrd CHF viel weniger bedeutend als jene der Pharmakonzerne.

LICHT AM ENDE DES TUNNELS

Einen Lichtblick gab es auch für die Maschinen- und Elektronikindustrie, die von der Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 besonders stark gebeutelt worden war. Erstmals seit neun Quartalen, das heisst seit über zwei Jahren, konnte die Branche die Exporte wieder steigern, wenn auch nur ganz leicht um 0,3% auf 7,7 Mrd CHF.

Dagegen hält bei der Uhrenindustrie die Talfahrt an. Sie muss das sechste Quartal mit einem Exportminus hinnehmen. Die Ausfuhren der drittwichtigsten Exportbranche schrumpften um knapp zehn% auf noch 4,7 Mrd CHF. Mengenmässig tauchten die Uhrenexporte gar um beinahe 15%.

Dennoch gebe es keine Krise der Schweizer Uhrenindustrie, sagte Swatch-Gruppen-Chef Nick Hayek: "In den letzten fünf bis sechs Jahren sind wir 50, 60, 70% gewachsen. Dann kam der Schweizer-Franken-Schock und seither hatten wir einen Rückgang von 10, 20% in Schweizer Franken. Dies vor allem, weil die chinesischen Touristen Hongkong und Teile Europas meiden."

Nach Hongkong haben sich die Ausfuhren seit 2014 beinahe halbiert. Mit einem Minus von 40% musste die Branche im September 2016 den schlimmsten Einbruch seit 20 Monaten hinnehmen, wie der Verband der Uhrenindustrie FH schreibt. Das einst mit grossem Abstand wichtigste Absatzgebiet für Schweizer Uhren ist mittlerweile im September von den USA überholt worden.

Dafür profitiert die Uhrenindustrie vom Brexit, der das britische Pfund in den Keller schickte. So lockt das Land Touristen an, die auch bei den Uhren zugreifen, die günstiger geworden sind. Seit der Brexit-Abstimmung Ende Juni haben die Uhrenexporte auf die Insel um knapp ein Viertel im Vergleich zum Vorjahr zugelegt.

RÜCKSENDUNGEN TREIBEN EXPORTE AN

Besser liefen im dritten Quartal auch die Ausfuhren von Präzisionsinstrumenten sowie Produkten der Metallindustrie. Das Exportplus von Textilien, Bekleidung und Schuhen sei nicht auf mehr Ausfuhren von Schweizer Kleidern ins Ausland zurückzuführen.

Vielmehr seien der Grund vermehrte Rücksendungen von Waren, die Schweizer in ausländischen Onlineshops gekauft hätten, sagte Pfammatter. Mit den Rücksendungen tauchen die bei Zalando und Co. gekauften Schuhe, T-Shirts und Hosen in der Schweizer Exportstatistik auf.

dm

(AWP)