Fed-Chefin Yellen: Argumente für Zinsanhebung sind stärker geworden

(neu: Weitere Yellen-Aussagen im vierten Absatz, Marktreaktionen)
26.08.2016 16:57

JACKSON HOLE (awp international) - Die US-Notenbank Fed scheint auf ihre zweite Zinsanhebung nach der Finanzkrise zuzusteuern. Darauf deuten Äusserungen der Fed-Vorsitzenden vom Freitag hin. Die Argumente für eine Zinsanhebung seien in den vergangenen Monaten stärker geworden, sagte Janet Yellen auf der renommierten Notenbankkonferenz im amerikanischen Jackson Hole. Einen konkreten Termin für eine mögliche Straffung nannte sie jedoch nicht.

Yellen begründete ihre Einschätzung absehbar steigender Zinsen mit der voraussichtlichen Entwicklung der US-Wirtschaft. Die Fed rechne für die kommenden Jahre mit einem anhaltend moderaten Wachstum, zusätzlichen Verbesserungen am Arbeitsmarkt und einem Anstieg der Inflation über das Fed-Ziel von zwei Prozent hinaus.

'GRADUELLE' ZINSSTRAFFUNG

Mit einem scharfen Straffungskurs der Fed dürfte jedoch nach wie vor nicht zu rechnen sein. So bekräftigte Yellen, dass der Leitzins im Laufe der Zeit nur "graduell" ansteigen werde. Zudem wies sie abermals darauf hin, dass die Zinsentscheidungen der Notenbank von der konjunkturellen Entwicklung abhingen und keinem vorab festgelegten Kurs folgten. Mit diesen Formulierungen will sich die Fed geldpolitischen Spielraum erhalten.

Darüber hinaus stellte Yellen recht unverblümt klar, dass die Fed aus heutiger Sicht selbst nicht sagen könne, wann und in welchem Umfang der Leitzins (Fed Funds Rate) angehoben werde. "Unsere Fähigkeit vorherzusagen, wie die Federal Funds Rate sich im Laufe der Zeit entwickelt, ist ziemlich begrenzt, da die Geldpolitik auf jegliche Störungen reagieren muss, die die Wirtschaft beeinträchtigen könnten."

MARKTREAKTIONEN

Die ersten Reaktionen an den Finanzmärkten waren deutlich, hielten aber zumeist nur kurz an. Nach Bekanntwerden von Yellens Äusserungen legte der US-Dollar zu vielen anderen Währungen zunächst spürbar zu. Nur eine halbe Stunde später geriet er aber unter Druck. Ähnlich war die Entwicklung am US-Anleihemarkt, wo die Renditen zunächst deutlich stiegen, dann aber fielen. Die Preise für Rohöl und Gold legten mit fallendem Dollarkurs zu. Die Aktienmärkte verteidigten hingegen ihre nach den Aussagen erzielten Gewinne./bgf/jsl/he

(AWP)