Fed-Protokoll ohne klare Signale - Zinserhöhung im Dezember erwartet

(Ausführliche Fassung)
13.10.2016 10:28

WASHINGTON (awp international) - Das jüngste Sitzungsprotokoll der US-Notenbank hat keine Klarheit über das weitere Vorgehen der Fed geliefert. Die Entscheidung der US-Notenbank Fed gegen eine Zinsanhebung im September sei eine knappe Sache gewesen, hiess es in dem am Mittwochabend veröffentlichten Protokoll (Minutes) zur jüngsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) vom 20. bis 21. September. Die meisten Ökonomen gehen weiter von einer Leitzinserhöhung im Dezember aus, was aber wohl vor allem mit den gesunkenen Wahlchancen von Präsidentschaftskandidat Donald Trump zu tun hat. An den Finanzmärkten spielte das Protokoll kaum eine Rolle.

"Es wurde festgestellt, dass vertretbare Gründe sowohl für eine Zinsanhebung bei der Sitzung sprachen als auch zum Abwarten auf einige zusätzliche Informationen zum Arbeitsmarkt und zur Inflation", hiess es in dem Protokoll. Einige Fed-Mitglieder hätten zudem eine Zinsanhebung "relativ bald" als angemessen betrachtet. Auf der Sitzung im September hatten drei Mitglieder für eine Leitzinsanhebung gestimmt. Seit der Zinswende vom Dezember 2015 hält die US-Notenbank den Leitzins in einer Spanne zwischen 0,25 Prozent bis 0,50 Prozent.

Die Mehrheit der Mitglieder habe zudem die Risiken für die US-Wirtschaft weitgehend als ausgeglichen betrachtet. Ein paar Notenbanker hätten die Risiken aber im Vordergrund gesehen. Dabei wurde auch auf das Ausland verwiesen. Die Mehrheit der Gegner einer Leitzinsanhebung verwies zu dem Zeitpunkt auf eine immer noch bestehende Unterauslastung am Arbeitsmarkt. Viele Fed-Mitglieder hätten wenige Signale für Inflationsdruck gesehen.

"Die Minutes brachten wenig Klarheit in die Argumentation der Fed gegen einen weiteren Zinsschritt", kommentierte Christian Berg von der BayernLB. Die Mitglieder hätten sich insgesamt deutlich vorsichtiger mit Blick auf eine baldige Zinserhöhung ausgesprochen als in ihren jüngsten Reden. Die Diskussion zu künftigen Zinsanhebungen lasse aber die Tür für einen Zinsschritt im Dezember offen, der auch von der BayernLB erwartet wird.

Nach Einschätzung von Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner könnten die Tauben im Dezember eine Zinserhöhung akzeptieren. Tauben sind Mitglieder, die sich im Zweifel gegen Zinserhöhungen aussprechen. Allerdings seien die Tauben kurz davor, den "Krieg" zu gewinnen und eine substanzielle Verschärfung der Geldpolitik zu verhindern, schreibt Weidensteiner. Die Commerzbank erwartet nach der Zinserhöhung im Dezember zwei weitere Erhöhungen im kommenden Jahr.

Tatsächlich sind die Erwartungen an den Finanzmärkten zuletzt gestiegen, dass die Fed im Dezember die Zinsen anhebt und auch im kommenden Jahr zumindest eine Zinserhöhung folgen lässt. Dies hat aber weniger mit Aussagen von Notenbankvertretern oder dem Protokoll der Fed zu tun. Die Wahlchancen von US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump sind zuletzt gesunken. Dies zeigt eine Reihe von Meinungsumfragen. Trump gilt als grosser Risikofaktor für die US-Wirtschaft.

Zudem sind zuletzt die Ölpreise deutlich gestiegen. Die niedrigen Ölpreise waren ein wichtiger Grund für die schwache Inflation. Zudem profitiert in den USA auch die Ölförderindustrie von steigenden Ölpreisen. Sollte es dem Ölkartell Opec und Russland gelingen, die Ölpreise zu stabilisieren, dann könnte dies das Umfeld für die Geldpolitik nachhaltig verändern.

Aus dem Protokoll geht auch hervor, dass es innerhalb der Fed Sorge um die eigene Glaubwürdigkeit gibt. Einige Mitglieder hätten ihrer Sorge Ausdruck verliehen, dass weitere Verschiebungen einer Zinsanhebung die Glaubwürdigkeit untergraben könnten, hiess es in dem Protokoll. Dies gelte insbesondere, weil jüngste Daten den Erwartungen der Notenbank eigentlich entsprochen hätten. Viele Experten haben in jüngster Zeit kritisiert, die US-Notenbank stelle seit Monaten immer wieder Zinsanhebungen in Aussicht, um dann keine Taten folgen zu lassen./jsl/bgf/stb

(AWP)