Fed: Zinsentscheidung war knapp - Sorge um eigene Glaubwürdigkeit

(Ausführliche Fassung)
12.10.2016 20:55

WASHINGTON (awp international) - Die jüngste Entscheidung der US-Notenbank Fed gegen eine Zinsanhebung im September stand auf der Kippe. Die Entscheidung sei eine knappe Sache gewesen, hiess es in dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll (Minutes) zur jüngsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses (FOMC) vom 20. bis 21. September. Zudem hätten einige Mitglieder vor einem Glaubwürdigkeitsverlust der Notenbank gewarnt.

"Es wurde festgestellt, dass vertretbare Gründe sowohl für eine Zinsanhebung bei der Sitzung sprachen als auch zum Abwarten auf einige zusätzliche Informationen zum Arbeitsmarkt und zur Inflation", hiess es in dem Protokoll. Einige Fed-Mitglieder hätten zudem eine Zinsanhebung "relativ bald" als angemessen betrachtet.

SORGE UM GLAUBWÜRDIGKEIT DER FED

Eine substantielle Mehrheit der Mitglieder habe die Risiken für die US-Wirtschaft weitgehend als ausgeglichen betrachtet. Ein paar Notenbanker hätten die Risiken aber im Vordergrund gesehen. Dabei wurde auch auf das Ausland verwiesen. Unterschiedliche Ansichten habe es zum US-Arbeitsmarkt gegeben. Viele Fed-Mitglieder hätten wenige Signale für Inflationsdruck gesehen.

Aus dem Protokoll geht auch hervor, dass es innerhalb der Fed Sorge um die eigene Glaubwürdigkeit gibt. Einige Mitglieder hätten ihrer Sorge Ausdruck verliehen, dass weitere Verschiebungen einer Zinsanhebung die Glaubwürdigkeit untergraben könnten, hiess es in dem Protokoll. Dies gelte insbesondere, weil jüngste Daten den Erwartungen der Notenbank eigentlich entsprochen hätten. Viele Experten haben in jüngster Zeit kritisiert, die US-Notenbank stelle seit Monaten immer wieder Zinsanhebungen in Aussicht, um dann keine Taten folgen zu lassen.

WEITER KEIN FESTGELEGTER ZEITPLAN

Seit der Zinsentscheidung vom September haben sich einige US-Notenbanker zu Wort gemeldet. Die Fed-Vorsitzende Janet Yellen hatte vor dem Finanzdienstleistungs-Ausschuss des US-Repräsentantenhauses betont, es gebe keinen festgelegten Zeitplan für eine Erhöhung des Leitzinses.

Der Präsident der regionalen Notenbank von Richmond, Jeffrey Lacker, sprach sich kürzlich für Leitzinsanhebungen zur Vermeidung einer zu stark steigenden Inflation aus. Der Leitzins solle derzeit zumindest bei 1,5 Prozent liegen. Der Fed-Vizevorsitzende Stanley Fischer verwies unterdessen auf die Grenzen der Geldpolitik und betonte die Rolle der Regierung bei der Wachstumsförderung.

VERHALTENE REAKTIONEN AN DEN KAPITALMÄRKTEN

Seit der Zinswende vom Dezember 2015 hält die US-Notenbank den Leitzins in einer Spanne zwischen 0,25 Prozent bis 0,50 Prozent. Bei der September-Sitzung hatten sich immerhin drei Fed-Mitglieder für eine sofortige Zinsanhebung ausgesprochen.

Der Eurokurs legte nach der Veröffentlichung des Protokolls zwischenzeitlich leicht zu, gab die Gewinne im Anschluss aber wieder ab. Die US-Renditen gaben nach. Der US-Aktienindex Dow Jones legte leicht zu, allerdings gefolgt von einer Gegenbewegung./tos/he

(AWP)