Frankreich und Spanien bleiben auf Wachstumskurs

(Ausführliche Fassung) - Die zweit- und die viertgrösste Volkswirtschaft im Euroraum bleiben auf Wachstumskurs. Wie aus Zahlen der jeweiligen nationalen Statistikämter vom Freitag hervorgeht, wuchs die französische Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,5 Prozent. Es war bereits das dritte Quartal in Folge mit diesem als solide geltenden Wachstumstempo. Im Jahresvergleich betrug das Wachstum der französischen Wirtschaft robuste 1,8 Prozent.
28.07.2017 09:58

Die spanische Volkswirtschaft wuchs unterdessen im selben Zeitraum um 0,9 Prozent zum Vorquartal. Das war der stärkste Zuwachs seit dem dritten Quartal 2015, also seit fast zwei Jahren. Spaniens Wirtschaft hat seit etwa dreieinhalb Jahren aus der tiefen Krise, die auf das Platzen einer gewaltigen Immobilienblase folgte, gefunden und wächst seither kräftig. Die Arbeitslosigkeit ist zwar immer noch sehr hoch, sie geht aber mit hohem Tempo zurück.

Verglichen mit dem Wachstumstempo bleibt die Inflation in beiden Ländern nach wie vor schwach bis allenfalls moderat. In Frankreich stiegen die nach europäischer Methode berechneten Verbraucherpreise (HVPI) im Juli nach Zahlen vom Freitag um 0,8 Prozent. Das liegt deutlich unterhalb der für den gesamten Euroraum geltenden Zielmarke der Europäischen Zentralbank( EZB) von knapp zwei Prozent.

In Spanien liegt die Inflationsrate zwar deutlich höher, aber ebenfalls wesentlich tiefer als in früheren Aufschwungphasen. Nach Zahlen vom Freitag stiegen die Verbraucherpreise nach europäischer Berechnungsmethode um 1,7 Prozent. Das war etwas stärker, als Bankanalysten erwartet hatte. Vor der Finanz- und Wirtschaftskrise war der Preisauftrieb aber fast doppelt so stark.

Spanien dürfte im laufenden Jahr abermals zu den am stärksten wachsenden Euro-Volkswirtschaften gehören. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet zurzeit ein Wirtschaftswachstum von rund drei Prozent. Das wohl grösste Wachstumsrisiko Spaniens sehen viele Analysten in der Politik. Das Land wird gegenwärtig von einer konservativen Minderheitsregierung geführt. Die Regierungspartei ist zudem durch zahlreiche Korruptionsvorwürfe belastet.

Frankreich gilt unter Fachleuten eher als Kandidat für ein künftig hohes Wachstumstempo. Derartige Prognosen sind jedoch stark davon abhängig, welche konkreten Wirtschaftsreformen der neue Präsident und die neue Regierung umsetzen werden. Volkswirte der Commerzbank, die die Perspektiven Frankreichs bislang skeptisch bewerten, räumen mittlerweile ein, dass sich in dem Land etwas bewege. Allerdings sei es noch zu früh, von einem Reformdurchbruch zu sprechen, weil etliche Bewährungsproben wie die zu erwartende Gegenwehr der Gewerkschaften noch bestanden werden müssten./bgf/jkr/fbr

(AWP)