Französischer Notenbankchef: Keine Sonderregeln für Briten bei Brexit

Die Briten sollten bei ihrem Austritt aus der EU (Brexit) nach Ansicht des französischen Notenbankchefs François Villeroy de Galhau nicht auf eine Sonderbehandlung hoffen. "Wir sind nicht diejenigen, die sich für einen harten Brexit entschieden haben", sagte der Chef der Banque de France bei einer Tagung der "Süddeutschen Zeitung" am Mittwoch in Frankfurt. "Eines muss klar sein: Es darf keine Rosinenpickerei geben."
22.03.2017 11:05

Die britische Premierministerin Theresa May will nächste Woche Mittwoch (29.3.) offiziell den Scheidungsantrag in Brüssel einreichen - neun Monate, nachdem die Briten mit knapper Mehrheit für den Austritt aus der Europäischen Union votiert hatten. Mit Eingang des Brexit-Antrags beginnen die auf zwei Jahre befristeten Verhandlungen zwischen London und den EU-Partnern über die Modalitäten.

Der Notenbanker dämpfte zugleich die vor allem in Deutschland grossen Hoffnungen, die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihre Geldschleusen wegen der anziehenden Inflation bald wieder schliessen. "Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Antwort klar: Nein. Ohne geldpolitischen Stimulus wird die Erholung der Inflation im Euroraum nicht selbsttragend und von Dauer sein", betonte de Galhau.

Im Februar war die Teuerung im Euroraum - getrieben vor allem von hohen Energiepreisen - erstmals seit vier Jahren wieder auf zwei Prozent gestiegen. Die EZB strebt zwar eine Rate von knapp unter 2,0 Prozent an, hält die aktuelle Entwicklung aber noch nicht für nachhaltig. Daher hält sie die Zinsen vorerst auf einem Rekordtief und pumpt über Anleihekäufe weiterhin Milliardensummen in den Markt./ben/DP/stb

(AWP)