GfK Deutschland: Risiken können Konsumlaune nicht trüben

(Ausführliche Fassung) - In Deutschland bleibt der private Konsum eine treibende Kraft für den Aufschwung. "Die Bundesbürger sehen die Binnenkonjunktur in Deutschland weiter auf einem überaus guten Weg", fasste das Marktforschungsunternehmen GfK am Dienstag die jüngste Umfrage unter rund 2000 Verbrauchern zusammen. Der GfK-Konsumklimaindex stieg um 0,1 Punkte auf 10,9 Zähler. Das ist der höchste Wert seit Oktober 2001, als der Indexstand bei 11,0 Punkten lag.
29.08.2017 10:16

Bankvolkswirte wurden vom Anstieg der Verbraucherstimmung überrascht. Sie hatten im Schnitt mit einem unveränderten Indexwert von 10,8 Punkten gerechnet. Die GfK erklärte die erneute Stimmungsaufhellung mit einem weiteren Anstieg der Einkommenserwartungen und einer stärkeren Anschaffungsneigung.

Allerdings lieferte die Umfrage bei den Erwartungen an die Konjunktur im August nach fünf Zuwächsen in Folge einen Dämpfer. Dem Rückgang des entsprechenden Indikators um 14,2 auf 30,4 Punkte mass Konsumforscher Rolf Bürkl kein allzu grosses Gewicht bei. Das sei eher als "ein Ausrutscher" zu bewerten, die Zahlen blieben auf gutem Niveau, sagte er.

Für das Gesamtbild sieht das Forschungsinstitut keinen Grund zur Sorge. Bei der Erwartung ans eigene Einkommen wurde sogar ein Rekord ermittelt. Im August legte der entsprechend Indikator um 0,5 Zähler auf 61,4 Punkte zu. Es war nicht nur der fünfte Anstieg in Folge, sondern auch ein Höchststand seit der Wiedervereinigung: Noch nie seit Beginn der Erhebung für Gesamtdeutschland 1991 sei ein besserer Wert gemessen worden.

Auch die Bereitschaft zu grösseren Anschaffungen bleibt hoch. Der entsprechende Indikator stieg um 3,3 Zähler auf 58,1 Punkte. Damit wurde der Rückgang im Juli (Minus 3,1 Punkte) wieder wettgemacht. Die anhaltend schwache Sparneigung gebe der Konsumlaune weiteren Schub. Die GfK befragt monatlich rund 2000 Verbraucher zu deren Konsumverhalten.

Konsumforscher Bürkl nimmt an, dass mögliche Handelsbeschränkungen der Regierung von US-Präsident Donald Trump vor allem negative Auswirkungen auf deutsche Autobauer haben könnten. "Bei dem ein oder anderen Beschäftigten in der Autoindustrie oder bei den Zulieferern könnte eine gewisse Sorge vor Arbeitslosigkeit aufkommen - und das wäre für die Konsumstimmung schädlich."

Für Verunsicherung bei Verbrauchern könnte auch die Debatte um die Zukunft von Diesel-Pkw und eine mögliche Quote für Elektroautos sorgen. Denn für die Autobauer wäre ein kurzerhand durchgesetzter Abschied vom Verbrennungsmotor eine starke Zäsur, da sie ihr Geschäftsmodell "völlig umkrempeln" müssten, erklärte Bürkl. Ein kompletter Umbau der Autobranche könnte Arbeitnehmer beunruhigen, deren Jobs mit Einzug der E-Mobilität überflüssig werden könnten.

Der Streit über die Zukunft von Verbrennungsmotoren könnte im Herbst zu einem Knackpunkt bei Koalitionsverhandlungen werden. Während die CSU einen Ausstieg als nicht verhandelbar bezeichnete, bekräftigten die Grünen, nur eine Koalition einzugehen, die das Ende dieser Technik einleite. Kanzlerin Angela Merkel sieht das Ende der Dieseltechnik allerdings noch in weiter Ferne./bda/DP/jkr

(AWP)