Grossbritannien: Inflation steigt auf fast drei Prozent

(Ausführliche Fassung) - Der Preisauftrieb in Grossbritannien hat sich im Mai weiter verstärkt. Mit fast drei Prozent stieg die Inflationsrate auf den höchsten Stand seit knapp vier Jahren. Die britische Notenbank könnte das in die unangenehme Lage versetzen, zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsstützung wählen zu müssen. Allerdings sehen Analysten auch in der Inflation an sich zunehmend eine Wachstumsbelastung.
13.06.2017 11:59

Nach Angaben des Statistikamts ONS vom Dienstag erhöhten sich die Verbraucherpreise im Mai zum Vorjahresmonat um 2,9 Prozent. Das ist der stärkste Zuwachs seit Juni 2013. Im April hatte die Jahresrate bei 2,7 Prozent gelegen, zu Jahresbeginn waren es gerade einmal 1,8 Prozent. Analysten hatten aktuell eine Rate von 2,7 Prozent erwartet.

Die Kernrate der Verbraucherpreise, bei der schwankungsanfällige Güter wie Energie und Nahrungsmittel ausgeklammert werden, lag mit 2,6 Prozent ebenfalls höher als erwartet und als im Vormonat. Die Kernrate gibt nach Meinung von Ökonomen den Preistrend meistens besser wieder als die Gesamtrate.

Deutlich höher lagen die Preise im Mai vor allem im britischen Einzelhandel. Dies spiegle in erster Linie wider, dass die Einzelhändler höhere Einfuhrpreise zunehmend an die Verbraucher weitergeben, kommentierte Ökonom Samuel Tombs von der britischen Denkfabrik Pantheon. Hintergrund dieser Entwicklung ist das britische Pfund, das mit dem Brexit-Votum vor einem Jahr stark an Wert verloren hat. Entsprechend teurer sind seither nach Grossbritannien importierte Waren.

Die erhöhte Inflation lastet auch auf der Kaufkraft der Verbraucher. Diese ist aktuell sogar rückläufig, weil die Verbraucherpreise stärker steigen als die Nominallöhne, was die Reallöhne fallen lässt. Die britische Notenbank, die an diesem Donnerstag neue Entscheidungen bekannt geben wird, steht damit einerseits unter Zugzwang, der hohen Inflation Einhalt zu gebieten. Andererseits hat sie zu berücksichtigen, dass die erhöhte Teuerung die Kaufkraft und damit das bereits schwächere Wirtschaftswachstum mindert.

Die Notenbank des Königreichs unter Führung des Kanadiers Mark Carney hat mehrfach deutlich gemacht, dass sie zwecks Wachstumsstützung bereit ist, ein gewisses Mass an Inflation zu tolerieren. Allerdings habe diese Toleranz ihre Grenzen. Für diesen Donnerstag wird von der Notenbank keine geldpolitische Kursänderung erwartet. Zu Ungewiss ist der Fortgang der Brexit-Verhandlungen mit der EU, zumal nach der überraschenden Wahlschlappe der Konservativen um Premierministerin May./bgf/tos/zb

(AWP)