Grossbritannien: Stimmung der Dienstleister deutlich eingetrübt (AF)

(Ausführliche Fassung)
05.07.2016 11:28

LONDON (awp international) - Die Stimmung im Dienstleistungssektor Grossbritanniens hat sich im Juni stärker als erwartet eingetrübt. Der Einkaufsmanagerindex sei von 53,5 Punkten im Vormonat auf 52,3 Punkte gefallen, teilte das private Institut Markit am Dienstag in London mit. Die Umfrage wurde noch grösstenteils vor der Brexit-Entscheidung durchgeführt. Markit-Chefökonom Chris Williamson warnte vor einer möglichen Schrumpfung der Wirtschaft in den kommenden Monaten.

Volkswirte hatten mit einem weniger deutlichen Rückgang des Indikators auf 52,8 Punkte gerechnet. Damit liegt der Zähler wieder auf dem Niveau vom April, als er den niedrigsten Wert seit Februar 2013 erreicht hatte.

Der Indikator liegt damit aber weiter deutlich über der Grenze von 50 Punkten und signalisiert Wirtschaftswachstum. Das Votum für den Brexit schlägt sich in den Zahlen laut Markit allerdings bislang kaum nieder. Die Befragung sei zwischen dem 13. und 28. Juni durchgeführt worden. 89 Prozent der Rückmeldungen seien vor der Bekanntgabe der Ergebnisse am 24. Juni eingegangen.

Die Zahlen verstärken laut Markit Hinweise darauf, dass das Brexit-Referendum die Wirtschaft bereits vor dem Schock-Ergebnis behindert habe. Die inzwischen vorliegenden Stimmungsdaten zur Industrie, zur Bauwirtschaft und zum Dienstleistungssektor in den drei Monaten bis einschliesslich Juni wiesen auf eine Verlangsamung des Wachstums hin. Es gebe das Risiko, dass die Wirtschaft im laufenden Quartal schrumpfen könnte.

"Eine weitere Verlangsamung und eine mögliche Schrumpfung in den kommenden Monaten ist infolge der Unsicherheit durch das EU-Referendum sehr wahrscheinlich", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Neueinstellungen seien gedämpft worden, weil es den Unternehmen an Klarheit zu den wirtschaftlichen Aussichten fehle./tos/jsl/fbr

(AWP)