Handelskammer: Deutsche Firmen profitieren von Japans Globalisierung

TOKIO (awp international) - Die deutsche Wirtschaft besinnt sich nach Angaben der Industrie- und Handelskammer wieder verstärkt auf Japan. "Das Interesse an Japan nimmt zu", erklärte der Geschäftsführer der Kammer in Japan (AHK Japan) mit Sitz in Tokio, Marcus Schürmann, der Deutschen Presse-Agentur. Umgekehrt gewinne auch Deutschland angesichts der Unsicherheiten in Europa wie dem Brexit-Votum für die japanische Wirtschaft zunehmend an Bedeutung.
18.12.2016 14:08

"Nicht nur als Markt, sondern auch als verlässlicher Kooperationspartner", sagte Schürmann. Zugleich profitierten deutsche Firmen von der Globalisierung Japans, indem sie mit japanischen Kunden immer öfter Geschäfte in Drittmärkten machten.

Jahrelang stand Japan, die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt, in der Wahrnehmung des Westens im Schatten des aufstrebenden Chinas. Während Geschäfte in China vermeintlich schnellere Erfolge versprachen, haftet Japan das Image eines komplizierten, schwer zugänglichen Marktes an. Auch die vergleichsweise niedrigen Wachstumsraten sowie die jahrelange Deflation machten Japan wenig attraktiv. Doch nun ändere sich diese Wahrnehmung, auch weil in China "nicht mehr alles so rosig" aussehe, sagte Schürmann.

"Für deutsche Unternehmen sind bei Japan die Wachstumszahlen bedingt wichtig", erklärte der AHK Japan-Chef. Wichtiger seien strategische Themen, mit denen sich Japan intensiv beschäftige und mit denen es im Rest Asiens stark unterwegs sei: Von der Digitalisierung, der rasanten Überalterung der Gesellschaft und der Urbanisierung bis hin zu Gesundheitsfragen. "Alles Zukunftsthemen, die auch für die deutsche Wirtschaft enorm relevant sind", sagte Schürmann.

Deutsche Unternehmen, von denen etwa 450 mit Niederlassungen in Japan vertreten sind, profitierten dabei von der Notwendigkeit der Japaner, angesichts geringer Wachstumsaussichten im eigenen Land verstärkt nach Übersee zu gehen. So sind inzwischen rund 6500 japanische Unternehmen in den südostasiatischen Staaten des Asean-Verbundes aktiv. Um in solchen Regionen mit japanischen Kunden ins Geschäft zu kommen, sei es wichtig, erstmal in Japan selbst präsent zu sein, erläuterte Schürmann. Japan als Sprungbrett in Drittmärkte also.

"Das Geschäft mit Japanern bekommt damit eine neue Bedeutung", so Schürmann. "Japanische Unternehmen profitieren dabei von der Expertise deutscher Unternehmen auf internationalen Märkten."

Wie gross das Interesse Japans an einer Kooperation mit deutschen Unternehmen ist, zeige sich auch an der massiven Präsenz bei der CeBIT, bei der Japan im kommenden Jahr Partnerland ist. Mehr als 120 japanische Unternehmen seien bereits angemeldet, so Schürmann. Eine solch starke Präsenz habe es schon seit Jahren nicht mehr gegeben. Gerade auch im Bereich der Digitalisierung sei Deutschland für Japan ein gefragter Kooperationspartner./ln/DP/zb

(AWP)