Handelsstreit und Brexit belasten ZEW-Konjunkturerwartungen

(Ausführliche Fassung) - Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im Oktober deutlich eingetrübt. Wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mitteilte, fiel der von ihm erhobene Indikator um 14,1 Punkte auf minus 24,7 Zähler. Analysten hatten zwar einen Rückgang erwartet, allerdings einen wesentlich schwächeren auf minus 12,0 Punkte. Das ZEW führte die Eintrübung unter anderem auf den sich verschärfenden Handelsstreit zwischen den USA und China zurück.
16.10.2018 12:35

Nach dem aktuellen Rückgang rangiert der Frühindikator exakt auf dem Niveau vom Juli. Niedriger hatte die Kennzahl davor im August 2012 gelegen. Auch der Rückgang auf Monatssicht sei bemerkenswert, kommentierte das ZEW. "Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt nach dem Brexit-Votum in Grossbritannien im Juli 2016." Die Bewertung der aktuellen Konjunkturlage trübte sich unterdessen um 5,9 auf 70,1 Punkte ein.

"Die Erwartungen für die deutsche Wirtschaft werden vor allem durch den sich verschärfenden Handelskonflikt zwischen den USA und China belastet", erklärte das ZEW die Stimmungseintrübung. Zudem sorgten sich die befragten Finanzexperten wegen der steigenden Gefahr eines "harten Brexit", also einem Austritt Grossbritanniens aus der EU ohne Anschlussvereinbarung. "Nicht zuletzt belastet auch die als instabiler wahrgenommene Situation der Regierungskoalition in Berlin die Konjunktureinschätzungen", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach.

Analysten kommentierten die Stimmungseintrübung ähnlich wie das ZEW. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) nannte neben politischen Unsicherheiten die jüngsten Verluste an den Aktienmärkten als Hauptgrund. Seit Anfang Oktober sind die Aktienkurse deutlich gefallen, zuletzt haben sie sich aber etwas stabilisiert.

An den Finanzmärkten gab der Euro in Reaktion auf den Rückgang des ZEW-Index seine Tagesgewinne wieder ab. Das ZEW befragt jeden Monat Analysten und professionelle Anleger nach ihren Erwartungen an die Konjunktur und die Kapitalmarktentwicklung. Die aktuelle Umfrage wurde vom 1. bis 15. Oktober unter 194 Experten durchgeführt./bgf/jsl/fba

(AWP)