Hinweis auf weniger Kapitalflucht: Chinas Devisenberg weiter gestiegen

Bemühungen der chinesischen Führung im Kampf gegen die anhaltende Kapitalflucht scheinen zumindest teilweise Früchte zu tragen. Chinas Devisenreserven sind im Juni zum fünften Mal in Folge gestiegen, wie die chinesische Notenbank am Freitag in Peking mitteilte. Demnach sei der Bestand fremder Währungen im Vergleich zum Vormonat um gut drei Milliarden US-Dollar auf rund 3,057 Billionen Dollar geklettert. Seit Februar wächst der grösste Devisenberg der Welt damit wieder kontinuierlich, nachdem er zuvor binnen zweieinhalb Jahren rasant um rund eine Billion Dollar geschrumpft war.
07.07.2017 12:27

Die Entwicklung legt nahe, dass China zuletzt nicht mehr in drastischem Ausmass mit Devisenverkäufen gegen einen Wertverfall der Landeswährung Yuan ankämpfen musste - und das trotz jüngster spekulativer Angriffe auf die Währung nach einer Abstufung der chinesischen Kreditwürdigkeit durch die US-Ratingagentur Moody's. Seit Jahresbeginn hat sich der Yuan deutlich erholt und rund zweieinhalb Prozent an Wert gewonnen.

China setzt inzwischen eine Vielzahl von Mitteln ein, um die eigene Währung zu stabilisieren und die Kapitalflucht einzudämmen. Neben verschärften Kapitalverkehrskontrollen werden bei der Festsetzung des täglichen Yuan-Richtwerts, um den der Kurs frei schwanken kann, inzwischen allzu starke Kursbewegungen vom Vortag herausgerechnet. Zudem wurden zuletzt bei Bedarf die sogenannten Tagesgeldsätze angehoben, zu denen sich Geschäftsbanken kurzfristig Geld bei der Notenbank leihen können. Ausserdem öffnete China jüngst seinen Anleihemarkt für ausländische Investoren, um Kapital ins Land zu locken.

Jüngste Daten zur chinesischen Zahlungsbilanz weisen bereits auf Kapitalzuflüsse hin - jedenfalls auf den ersten Blick. Im ersten Quartal 2017 wurde ohne Berücksichtigung der Devisenreserven ein Plus von 36,8 Milliarden Dollar verzeichnet und damit der erste Überschuss seit drei Jahren. "Natürlich ist dies eine Folge der strikten Kapitalverkehrskontrollen", sagt Hao Zhou, Experte bei der Commerzbank. Allerdings sei ein genauerer Blick in die Statistik ernüchternd. Ein gesondert aufgelisteter Posten verweise auf Kapitalabflüsse ohne offizielle Aufzeichnungen. Unterm Strich deuten die Zahlen demnach auf eine fortgesetzte Kapitalflucht hin./tos/jsl/stb

(AWP)