Hypotheken-Vergabe: Migros-Bank setzt auf individuelle Prüfung

Bern (awp/sda) - Auch die Migros-Bank schaltet sich in die Diskussion über die Kriterien bei der Hypotheken-Vergabe ein. "Wir sehen keinen Anlass, den kalkulatorischen Zinssatz herabzusetzen", sagt Migros-Bank-Chef Harald Nedwed der "NZZ am Sonntag". Stattdessen überlege die Migros-Bank, individueller auf Kreditnehmer einzugehen.
11.12.2016 11:48

Dabei geht es vor allem um die Berechnung der finanziellen Tragbarkeit. Diese wird massgeblich durch das verfügbare Einkommen des Kreditnehmers bestimmt. Hier sei eine individuelle Betrachtungsweise angebracht, sagt Nedwed.

Als Beispiel nennt er einen 30 Jahre alten Arzt. Bei diesem kann laut Nedwed die Bank annehmen, dass sein Gehalt mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich steigen wird. Anders könne dies bei einem 40 Jahre alten einfachen Angestellten aussehen.

Ebenfalls einen Unterschied macht der Wohnort des Hauskäufers, wie der Migros-Bank-Chef sagt. Jemand der 100'000 Franken pro Jahr verdient, kann davon möglicherweise im Jura mehr sparen als in Zürich.

Die Diskussion um die Vergabekriterien für Hypotheken hatte die Raiffeisen-Bank lanciert. Sie schlug eine Senkung des kalkulatorischen Zinssatzes vor, um den Hauskauf für mehr junge Familien erschwinglich zu machen.

Der Vorschlag stösst allerdings bei grossen Akteuren der Branche kaum auf Zustimmung. Dagegen gestellt haben sich wie die Migros-Bank bereits die Schweizerische Nationalbank (SNB), die Finanzmarktaufsicht (Finma) sowie die Grossbanken UBS und Credit Suisse.

Die Banken haben Mitte 2014 im Rahmen der Selbstregulierung die Hürden zur Gewährung von Hypotheken erhöht und damit den Eigenheimkauf erschwert. Das geschah auch auf Druck der Finma. Die Hürden sollen verhindern, dass Hausbesitzer ihre Schulden nicht mehr bedienen können, wenn die realen Zinsen innert kurzer Zeit stark ansteigen.

(AWP)