Ifo-Geschäftsklima setzt Höhenflug fort

(Ausführliche Fassung) - Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat ihren Höhenflug im Juni fortgesetzt. Das vom Ifo-Institut erhobene Geschäftsklima erreichte den höchsten Stand seit der Deutschen Wiedervereinigung. Der wichtigste Frühindikator für die deutsche Wirtschaft stieg um 0,5 Punkte auf 115,1 Zähler, wie das Institut am Montag im München mitteilte. Damit wurde der Rekordwert vom Vormonat überboten. Bankvolkswirte hatten dagegen mit einem leichten Rückgang auf 114,5 Punkte gerechnet.
26.06.2017 12:23

"In den deutschen Chefetagen herrscht Hochstimmung", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die befragten Unternehmen bewerteten sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch ihre Erwartungen für die kommenden sechs Monate besser. Getrieben wurde die Entwicklung vor allem durch die deutlich verbesserte Bewertung der aktuellen Geschäftslage, die um 0,8 Punkte auf 124,1 Punkte stieg. Weniger stark kletterte der Erwartungsindikator. Er legte um 0,3 Punkte auf 106,8 Punkte zu. Volkswirte hatten bei beiden Werten einen leichten Rückgang prognostiziert.

INDUSTRIEUNTERNEHMEN OPTIMISTISCH

Bis auf das Baugewerbe, wo der Indikator von hohem Niveau aus fiel, hellte sich die Stimmung in allen betrachteten Bereichen auf. So sind die Industriefirmen leicht optimistisch mit Blick auf die kommenden Monaten. "Die Nachfrage und der Auftragsbestand entwickelten sich sehr gut", schreibt das Ifo Institut.

Der in der vergangenen Woche von Markit veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für Deutschland hatte ebenfalls eine Fortsetzung des dynamischen Aufschwungs signalisiert. Allerdings trübte sich der Indikator für die Industrie von hohem Niveau aus leicht ein.

'AUFSCHWUNG GEWINNT AN BREITE'

"Der Aufschwung gewinnt durch die anziehende globale Nachfrage zunehmend an Breite und bleibt sehr dynamisch", kommentierte Christian Lips, Volkswirt von NordLB, die Ifo-Daten. Offenbar nehme die Binnenwirtschaft wieder Fahrt auf, während zugleich die aussenwirtschaftlichen Impulse zunehmen würden. "Daher dürfte die Wachstumsdynamik im auslaufenden zweiten Quartal nicht spürbar zurückgegangen sein."

Mit dem anhaltenden Höhenflug des Ifo sind nach Einschätzung der Commerzbank die Aussicht auf ein gutes zweites Halbjahr grösser geworden. Allerdings würden der stärkere Euro und die Anzeichen für eine etwas schwächere Weltkonjunktur unverändert dafür sprechen, dass sich die Stimmung bei den Unternehmen in den kommenden Monaten etwas eintrüben werde.

FINANZMÄRKTE REAGIEREN KAUM

Das Ifo Geschäftsklima überzeichnet nach Einschätzung von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, die tatsächliche Entwicklung. Das aktuelle Niveau würde ein Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes von sechs Prozent nahelegen. "Man muss nun kein Volkswirt sein, um festzustellen, dass ein Wachstum in dieser Grössenordnung illusorisch ist", so Gitzel. Es sei allerdings ein Wachstum von zwei Prozent möglich und dies sei auch ein "erfreulicher Wert".

Die Finanzmärkte reagierten kaum auf die Daten. Der Aktienindex Dax legte etwas zu. Der Euro gab nach der Veröffentlichung sogar nach und fiel unter die Marke von 1,12 US-Dollar./jsl/bgf/stb

(AWP)