Ifo-Index: Deutsche Wirtschaft von Risiken unbeeindruckt

(Ausführliche Fassung)
19.12.2016 11:28

MÜNCHEN (awp international) - Aller Risiken zum Trotz herrscht gute Stimmung in den Vorstandsetagen deutscher Unternehmen. Das geht aus dem am Montag veröffentlichten Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts hervor. Die Bauwirtschaft boomt, und in der Industrie sowie im Handel läuft es rund. "Die deutsche Wirtschaft legt einen Jahresendspurt hin", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Vor allem mit Blick auf die aktuelle Lage sind die befragten Unternehmer optimistisch. Mit Blick nach vorn gebe es aber auch Unsicherheit, warnen Experten.

Das Ifo-Geschäftsklima stieg im Dezember um 0,6 Punkte auf 111,0 Punkte. Bankvolkswirte hatten mit einer weniger deutlichen Aufhellung auf 110,6 Punkte gerechnet. Aktuell rangiert das Geschäftsklima auf dem höchsten Wert seit Februar 2014.

BEWERTUNG AKTUELLER LAGE SO GUT WIE SEIT 2012 NICHT

Vor allem ihre aktuelle Lage bewerteten die befragten Unternehmen deutlich besser als zuletzt. Der entsprechende Indikator stieg um einen Punkt auf 116,6 Punkte. Das ist der höchste Stand seit Februar 2012. "Potenzielle Belastungsfaktoren, vor allem eine Verunsicherung über politische Entwicklungen innerhalb und ausserhalb Europas, haben offensichtlich bislang keinen nachhaltigen Einfluss auf die Geschäftsstimmung", schreibt Ralf Umlauf, Experte bei der Landesbank Helaba. Die Aussichten für das kommende halbe Jahr haben sich allerdings nur geringfügig verbessert. Der entsprechende Indikator stieg leicht um 0,1 Punkte auf 105,6 Punkte.

Quer durch alle Sektoren sieht es derzeit gut aus für die deutsche Wirtschaft. "Das Bauhauptgewerbe setzt seine Rekordjagd fort", sagte Fuest. "Den Baufirmen ging es seit der Wiedervereinigung noch nie so gut." Auch in den kommenden Monaten zeichne sich eine Fortsetzung des Booms ab. Der Bausektor dürfte auch weiterhin von den niedrigen Zinsen und der hohen Nachfrage in Städten profitieren, schreibt Crasten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank Ing-Diba.

SCHWUNGVOLLER START INS NEUE JAHR - ABER AUCH RISIKEN

Auch im verarbeitenden Gewerbe sind die Indizes gestiegen. Im Grosshandel ist das Geschäftsklima auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren geklettert. Die Stimmung im Einzelhandel bleibt zudem weiterhin gut, und Händler von Elektroartikeln berichten von einem guten Weihnachtsgeschäft. Der Konsum dürfte aufgrund des robusten Arbeitsmarkts, höherer Reallöhne und der niedrigen Zinsen weiterhin die Wirtschaft stützen, so Experte Brzeski. Ausserdem werde der Zuzug von Flüchtlingen die Staatsausgaben auf hohem Niveau halten.

Die deutsche Wirtschaft dürfte mit Schwung ins Jahr 2017 starten, meint Experte Umlauf. Ralph Solveen, Analyst bei der Commerzbank, warnt jedoch vor zu hohen Erwartungen. Zwar sei für das vierte Quartal 2016 und für das erste Quartal 2017 wieder mit einem höheren Wachstum zu rechnen als zuletzt. "Wir bezweifeln aber, dass sich dieses Tempo angesichts der ungelösten Probleme im Euroraum und in vielen Emerging Markets und der bereits hohen Auslastung der deutschen Wirtschaft als nachhaltig erweisen wird."

AUSWIRKUNGEN DER PRÄSIDENTSCHAFT TRUMPS NOCH UNKLAR

Hinzu kommen Risiken mit Blick auf die USA. Noch sei nicht klar, welche Konsequenzen die Wahl Donald Trumps zum künftigen US-Präsidenten für die deutschen Unternehmen haben werde, warnt Solveen. "Die Botschaft der Unternehmen lautet: Es läuft derzeit solide, aber hinsichtlich der weiteren Konjunkturentwicklung bleiben wir mal lieber vorsichtig."/tos/bgf/stb

(AWP)