Ifo-Index: Trump-Wahl lässt deutsche Unternehmen überwiegend kalt

(Ausführliche Fassung)
24.11.2016 12:41

MÜNCHEN (awp international) - Die Wahl des Republikaners Donald Trump zum neuen US-Präsidenten hat die deutschen Unternehmen nicht geschockt. Das Ifo-Geschäftsklima, Deutschlands wichtigster konjunktureller Frühindikator, lag im November stabil bei 110,4 Punkten, wie das Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte. Bankvolkswirte hatten mit 110,5 Punkten gerechnet. Der Vormonatsstand wurde nachträglich leicht auf 110,4 Punkte nach unten gesetzt. Aktuell rangiert das Geschäftsklima auf dem höchsten Wert seit April 2014.

Ihre aktuelle Lage bewerteten die befragten Unternehmen besser, die Aussichten für das kommende halbe Jahr fielen dagegen etwas schlechter aus als im Oktober. Die Analysten der NordLB sahen darin eine gewisse Besorgnis der Unternehmen wegen der Wahl Trumps, vor allem mit Blick auf das Exportgeschäft. Der künftige US-Präsident ist ein Freihandelsskeptiker, weil er wirtschaftliche Nachteile für die amerikanische Wirtschaft sieht.

AUFSCHWUNG INTAKT - ERSTE SORGENFALTEN

Ifo-Präsident Clemens Fuest zeigte sich zuversichtlich. "Der Aufschwung in Deutschland bleibt intakt", kommentierte der Ökonom. Die deutsche Wirtschaft scheine von der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten vorerst unbeeindruckt. Das trifft zumindest für den Gross- und Einzelhandel, das Baugewerbe und die Dienstleister zu. In diesen Bereichen verbesserte sich das Geschäftsklima jeweils. In der Industrie trübte sich die Stimmung jedoch ein. Einige Analysten deuteten dies als erste Sorgenfalten wegen der Wahl Trumps.

Überwiegend nahmen Bankvolkswirte die Zahlen jedoch positiv auf. Unicredit-Ökonom Thomas Strobel hob hervor, dass die jüngste Stabilisierung des Geschäftsklimas auf zwei deutliche Anstiege folge. "Die Inlandsnachfrage, bestehend aus den Konsumausgaben und der Bautätigkeit, bleibt eine robuster Wachstumspfeiler", kommentierte Strobel. Diese Einschätzung wird bestätigt durch Detailzahlen zum Wirtschaftswachstum im dritten Quartal, die das Statistische Bundesamt ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte.

KURZFRISTIG STÄRKERES WACHSTUM

Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen verwies auf das recht hohe Niveau des Geschäftsklimas. Dies lasse ein etwas stärkeres Wachstum der deutschen Wirtschaft zum Jahresende 2016 und zum Jahresstart 2017 erwarten. "Allerdings dürfte sich dieses höhere Tempo kaum als nachhaltig erweisen", schränkte Solveen ein. Gründe seien die nach wie vor schwierige Lage in vielen Schwellenländern, der vermutlich bald weniger starke Konsum des deutschen Staates sowie die schwachen Unternehmensinvestitionen./bgf/jsl/men

(AWP)