Inflation in der Türkei erstmals seit langem wieder einstellig

In der Türkei ist die Inflation erstmals seit gut zwei Jahren wieder in den einstelligen Bereich gefallen. Die Lebenshaltungskosten erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,3 Prozent, wie das nationale Statistikamt am Donnerstag in Ankara mitteilte. Es ist das erste Mal seit Mitte 2017, dass die Inflationsrate nicht mehr zweistellig ist. Analysten hatten mit dieser Entwicklung der Tendenz nach gerechnet, allerdings im Mittel eine etwas höhere Rate erwartet.
03.10.2019 09:38

Ein wichtiger Grund für den deutlichen Rückgang der Inflation liegt in dem starken Preissprung im vergangenen Jahr, der zunehmend aus dem Jahresvergleich herausfällt. 2018 hatte die türkische Währung Lira massiv an Wert verloren, es war die Rede von einer Lirakrise. Die schwache Lira hatte die Inlandspreise im Zuge höherer Einfuhrpreise stark nach oben getrieben. Der Höhepunkt wurde vergangenes Jahr mit einer Inflation von gut 25 Prozent erreicht.

Gedrückt wird die Inflationsrate darüber hinaus durch die Lira an sich, deren Wert sich in den vergangenen Monaten stabilisiert hat. Ein wesentlicher Grund dafür ist die lockerere Geldpolitik der amerikanischen Notenbank Fed, die Druck von Schwellenländerwährungen nimmt. Hinzu kommt die ebenfalls stabilere Konjunkturlage in der Türkei.

Fachleute verweisen jedoch auf die Geldpolitik der türkischen Notenbank als Risiko für die weitere Inflationsentwicklung. Die Notenbank hat die Leitzinsen zuletzt deutlich reduziert. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte vor einigen Monaten den Notenbankchef ausgetauscht. Seither gilt die Geldpolitik der türkischen Zentralbank als stark von der Politik beeinflusst./bgf/jha/

(AWP)