Inflation in Deutschland schwächer - Experten sehen EZB bestätigt

(Ausführliche Fassung) - Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg auf zwei Prozent hat sich die Inflation in Deutschland deutlich abgeschwächt. Grund dafür sind vor allem moderat gestiegene Energiepreise und der Wegfall statistischer Sondereffekte wegen der späten Osterfeiertage dieses Jahr. Experten sehen die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrer Haltung bestätigt, am lockeren geldpolitischen Kurs festzuhalten.
30.05.2017 15:05

Die deutschen Verbraucherpreise legten im Mai im Jahresvergleich um 1,5 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag nach einer ersten Schätzung mitteilte. Volkswirte hatten im Mittel mit einer Teuerungsrate von 1,6 Prozent gerechnet. "Die EZB dürfte sich darin bestätigt sehen, die geldpolitische Wende nur behutsam einzuleiten", kommentierte Viola Julien, Expertin bei der Landesbank Helaba, die Zahlen. Von übermässigem Preisdruck und einem überzeugenden Aufwärtstrend könne keine Rede sein.

Im April hatte die Teuerungsrate noch bei 2,0 Prozent gelegen und somit kurzzeitig das Inflationsziel der EZB, allerdings für den gesamten Euroraum, erreicht, bei dem sie Preisstabilität als gewährleistet ansieht und das sie mit Niedrigzinsen und milliardenschweren Wertpapierkaufprogrammen dauerhaft zu erreichen versucht.

Die vergleichsweise hohe Rate im April war aber Experten zufolge zum Grossteil auf einen vorübergehenden starken Energiepreisschub sowie auf den späten Ostertermin zurückzuführen, der Pauschalreisen im April verteuerte. "Der unerwartet starke Teuerungsanstieg im April war Sondereffekten geschuldet, jetzt geht es in den Normalmodus zurück", kommentiert Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Auch in den kommenden Monaten sei mit einem Rückgang der Inflation zu rechnen.

Erst am Montag hatte EZB-Präsident Mario Draghi vor EU-Parlamentariern in Brüssel seine Position bekräftigt, wonach eine lockere Geldpolitik im Euroraum weiter nötig ist. Die nächste Zinsentscheidung steht am 8. Juni in Estlands Hauptstadt Tallinn an. "Wer glaubt, die EZB werde einen drastischen Schwenk im Juni vollziehen, wird wohl auf dem falschen Fuss erwischt", so Gitzel.

Vor allem bei den Energiepreisen schwächte sich der Auftrieb im Mai deutlich ab. Sie legten im Mai nur noch um 2,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Im April hatte die entsprechende Rate noch bei 5,1 Prozent gelegen. "Wenn beim Ölpreis nichts dramatisches geschieht, wird es auch in den kommenden Monaten einen Zickzackkurs geben, allerdings mit sinkender Tendenz", schreibt Uwe Burkert, Chefvolkswirt der Landesbank Baden-Württemberg. Der Preisanstieg bei Nahrungsmitteln beschleunigte sich unterdessen im Mai von 1,8 auf 2,4 Prozent.

Im Monatsvergleich gingen die Verbraucherpreise den Statistikern zufolge im Mai um 0,2 Prozent zurück. Hier hatten Experten einen etwas schwächeren Rückgang um 0,1 Prozent erwartet, nachdem die Preise im April stagniert hatten. Bei dem für europäische Vergleichszwecke harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) meldete das Bundesamt für Mai einen Anstieg um 1,4 Prozent im Jahresvergleich sowie einen Rückgang um 0,2 Prozent im Monatsvergleich.

Die Statistiker lieferten nach der ersten Erhebung noch keine Details zur Entwicklung der Verbraucherpreise und werden diese erst bei der zweiten Schätzung am 14. Juni veröffentlichen. Am Mittwoch wird das Europäische Statistikamt Eurostat die Inflationszahlen für den gesamten Euroraum veröffentlicht. Expertin Julien rechnet mit einer ähnlichen Entwicklung wie in Deutschland./tos/bgf/stb

(AWP)