Inflation im Euroraum bleibt verhalten - EZB dürfte dennoch straffen

(Ausführliche Fassung) - Der Preisauftrieb in der Eurozone bleibt verhalten. Nach Zahlen des Statistikamts Eurostat vom Montag erhöhten sich die Verbraucherpreise im Juli wie schon im Vormonat um 1,3 Prozent. Die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB) führt damit weiterhin nicht zu einer nennenswerten Beschleunigung der Inflation. Analysten erwarten dennoch, dass die Notenbank ihre Geldpolitik in absehbarer Zeit etwas straffen wird.
31.07.2017 13:00

Im Juli gab allenfalls die Kerninflation ein Lebenszeichen von sich, wie es Berenberg-Analyst Florian Hense formulierte. Das Inflationsmass, das schwankungsanfällige Komponenten wie Energie aussen vor lässt, stieg um 0,1 Punkte auf 1,2 Prozent. Die Kerninflation gilt unter Volkswirten als verlässlichere Grösse zur Abschätzung des grundlegenden Preisauftriebs. Auch die EZB hatte ihr zuletzt grosse Beachtung geschenkt.

Spürbar teurer als ein Jahr zuvor waren im Juli Energie (2,2 Prozent) sowie Lebensmittel (1,4 Prozent) und Dienstleistungen (1,5 Prozent). Deutlich schwächer stiegen die Preise für Industriegüter (0,5 Prozent).

Mehrere Bankanalysten rückten ein Dilemma der EZB in den Mittelpunkt ihrer Kommentare. Im Kern argumentierten sie, dass die Inflation eigentlich nach wie vor zu schwach sei, um die milliardenschweren Anleihekäufe auslaufen zu lassen. Denn das Ziel der Geldschwemme von monatlich 60 Milliarden Euro, nämlich die Inflation an das Ziel der EZB von knapp zwei Prozent heranzuführen, sei nach wie vor nicht in Sichtweite.

"Entsprechend gehen wir davon aus, dass die EZB auch künftig in ihrer Kommunikation stärker auf die gute wirtschaftliche Entwicklung abstellen wird", vermuteten die Ökonomen von der BayernLB. Verglichen mit der moderaten Teuerung hat die wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen Monaten grössere Sprünge gemacht. So wächst die Wirtschaft in fast allen Euroländern wieder solide, was die hohe Arbeitslosigkeit zurückgehen lässt. Eurostat meldete am Montag einen neuen achtjährigen Tiefstand der Arbeitslosigkeit.

Das Mandat der EZB ist jedoch vor allem auf Preisniveaustabilität ausgerichtet. Diese nimmt sie bei Preissteigerungen von knapp zwei Prozent an. Eine solche Rate wurde jedoch seit mehreren Jahren nicht mehr erreicht, weshalb die Notenbank ihre Geldpolitik massiv gelockert hat. Allerdings zeichnet sich ein Ende der Geldschwemme ab: Fachleute rechnen für das kommende Jahr mit einem schrittweisen Abschmelzen der Anleihekäufe. Eine erste Zinsanhebung dürfte aber noch länger auf sich warten lassen./bgf/tos/men

(AWP)