Inflation im Euroraum geht deutlich zurück

(Ausführliche Fassung) - Der Preisauftrieb im Euroraum hat sich im Mai wieder deutlich abgeschwächt. Nach Zahlen des Statistikamts Eurostat vom Mittwoch lagen die Verbraucherpreise 1,4 Prozent höher als vor einem Jahr. Im April hatte die Inflationsrate noch bei 1,9 Prozent gelegen. Analysten hatten zwar mit einem Rückgang gerechnet, allerdings nur auf 1,5 Prozent. Die rückläufige Teuerung nimmt Druck von der Europäischen Zentralbank (EZB), ihre extrem lockere Geldpolitik zu straffen.
31.05.2017 12:21

Der Rückgang der Teuerung kommt allerdings alles andere als überraschend. Denn im April waren die Verbraucherpreise durch die diesjährige Lage des Osterfestes überzeichnet. Reisen und Hotelübernachtungen waren deshalb deutlich teurer, weshalb Fachleute eine Gegenbewegung im Mai erwartet hatten. Hinzu kommt die Entwicklung der Benzinpreise, die in den vergangenen Wochen nach unten gerichtet war.

PREISAUFTRIEB BLEIBT SCHWACH

Nicht nur die Gesamtinflation, auch die um Energie-, und Lebensmittelpreise bereinigte Kerninflation war im Mai rückläufig. Sie fiel von 1,2 auf 0,9 Prozent. Erwartet wurde ein Rückgang auf 1,0 Prozent. Die Kerninflation gibt nach Meinung von Ökonomen den grundlegenden Preistrend besser wieder als die Gesamtteuerung, die stärker schwankt. EZB-Präsident Mario Draghi nennt die schwache Kerninflation als ein entscheidendes Argument gegen eine straffere Geldpolitik.

Bankökonomen kommentierten die Daten vor allem mit Blick auf die Auswirkungen für die EZB-Geldpolitik. "Ein stärkerer unterliegender Preisauftrieb ist weiterhin nicht in Sicht, was gegen eine baldige Zinsanhebung der EZB spricht", sagte Commerzbank-Experte Christoph Weil. "Wir gehen davon aus, dass die Inflationsrate in den kommenden Monaten in der Tendenz sogar noch etwas nachgeben wird." Die Fachleute von der Landesbank Helaba pflichteten bei: "Die EZB steht nicht unter Druck, ihre expansive Geldpolitik vorschnell zurückzufahren."

EZB TRITT VORSICHTIG AUF DIE BREMSE

Die EZB wird am 8. Juni zu ihrer nächsten Zinssitzung zusammen kommen. Angesichts der soliden Konjunktur erwarten Beobachter, dass sich die Notenbank optimistischer gibt und vorsichtige Signale auf eine perspektivisch weniger lockere Geldpolitik aussenden könnte. Eine rasche geldpolitische Wende wird von der Notenbank wegen des verhaltenen Preisauftriebs aber nicht erwartet. Grundsätzlich rechnen Fachleute damit, dass die Notenbank zuerst ihre milliardenschweren Wertpapierkäufe herunterfährt, bevor sie mit Zinsanhebungen beginnt./bgf/jkr/jha/

(AWP)