Italien nimmt Schulden zu Rekord-Niedrigzinsen auf

FRANKFURT (awp international) - Trotz politischer und wirtschaftlicher Probleme hat Italien am Dienstag Schulden zu Rekord-Niedrigzinsen aufnehmen können. Der Fiskus habe Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit im Volumen von 2,9 Milliarden Euro bei einer durchschnittlichen Rendite von 1,14 Prozent emittiert, teilte die italienische Notenbank in Rom mit. Das ist der niedrigste jemals vom italienischen Staat erzielte Zinssatz bei dieser Laufzeit.
30.08.2016 13:04

Die Anleiherenditen von Ländern aus der Eurozone befinden sich schon seit längerem auf ausserordentlich niedrigem Niveau. Experten führen dies vor allem auf die Niedrigzinsen und die milliardenschweren Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) zurück. EZB-Kritiker warnen unter anderem vor Marktverzerrungen. Die Renditen spiegelten die tatsächlichen Risiken der Geldanlage nicht adäquat wider, so das Argument.

Auch bei Papieren mit fünfjähriger Laufzeit erzielte der italienische Staat am Dienstag eine Rekordrendite. Drei Milliarden Euro wurden zu einer durchschnittlichen Rendite von 0,19 Prozent aufgenommen.

Jüngste Hiobsbotschaften aus Italien konnten die Anleger offenbar nicht verschrecken. Neben klammen Staatsfinanzen und einem kriselnden Bankensektor sorgt in Italien derzeit ein anstehendes Referendum um eine Verfassungsreform für politische Unsicherheit. Die Stimmung in den italienischen Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes ist laut den amtlichen Statistikern derzeit so schlecht wie seit Februar 2015 nicht mehr.

Christoph Rieger, Rentenmarktexperte bei der Commerzbank, rechnet vor diesem Hintergrund damit, dass sich die Zinskonditionen für den italienischen Staat in naher Zukunft wieder verschlechtern könnten./tos/jsl/stb

(AWP)