Italien rüttelt nicht an EZB-Entscheidung zu Monte dei Paschi

Mailand (awp/sda/reu) - Italiens Regierung hat das Vorgehen der Europäischen Zentralbank bei der Krisenbank Monte dei Paschi (MPS) kritisiert. Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan sagte der Zeitung "Il Sole 24 Ore" vom Donnerstag, es wäre "dienlich, um nicht zu sagen nett" gewesen, die Kriterien für den Kapitalbedarf von MPS genauer offenzulegen.
29.12.2016 09:47

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte die Eigenkapital-Lücke der drittgrössten Bank des Landes auf 8,8 Milliarden Euro beziffert. Das Geldhaus selbst hatte nur mit fünf Milliarden gerechnet. An der Entscheidung der EZB sei aber nicht zu rütteln, sagte Padoan. Monte dei Paschi werde damit nicht überkapitalisiert sein.

Der Minister äusserte die Hoffnung, dass die seit einer Woche vom Handel ausgesetzte Aktie von Monte dei Paschi so bald wie möglich wieder handelbar sein werde. Das Finanzinstitut von der Börse zu nehmen, sei kein Thema.

Wie viel Geld der Staat MPS zuführen müsse, hänge vom Geschäftsplan ab. Zuletzt hatte es geheissen, Italien müsse rund 6,5 Milliarden Euro beisteuern. Die Kapitalspritze solle in zwei bis drei Monaten erfolgen.

Die Sanierung von Monte dei Paschi ist besonders heikel, da nach den EU-Regularien auch rund 40'000 Kleinanleger ihren Teil zur Rettung beitragen müssen. Die Bank hat eine "vorsorgliche Rekapitalisierung" beantragt. Diese Art der Rettung von Banken, die noch solvent sind, erlaubt dem Staat nach den EU-Regularien Finanzhilfen, ohne private Anleger allzu sehr zur Kasse bitten zu müssen.

Padoan sagte der Zeitung, das Vorgehen sei mit der EU-Kommission und den Wettbewerbsbehörden abgestimmt. Die Rettung von Monte dei Paschi könne ein Modell sein, wie ähnliche Probleme künftig in Europa zu lösen seien.

Um die Privatanleger zu entschädigen, will der Staat ihnen ihre neuen Aktien abkaufen und ihnen dafür sichere erstrangige Anleihen ausgeben. Vor allem in Deutschland hatten die Modalitäten der Rettung Kritik hervorgerufen.

Die Regierung hatte einen 20 Milliarden Euro schweren Fonds zur Stabilisierung des Bankensektors eingerichtet. Dieser soll zunächst zur Rettung von Monte dei Paschi verwendet werden.

Italien hat die Sanierung der Branche über Jahre verschleppt. So türmte sich ein mehrere hundert Milliarden Euro schwerer Berg fauler Kredite in den Büchern auf.

(AWP)