Italiens Target2-Verbindlichkeiten springen nach oben

Die Verbindlichkeiten Italiens gegenüber anderen Euroländern im Zahlungssystem Target2 sind inmitten des politischen Tumults um die Regierungsbildung in Rom scharf angestiegen. Wie Daten der italienischen Zentralbank vom Freitag zeigen, stiegen die Verbindlichkeiten Italiens um etwa 39 Milliarden auf 465 Milliarden Euro. Das war der stärkste Anstieg seit März 2012, als die Eurokrise den Währungsraum fest im Griff hatte. Seinerzeit hatte es sogar Ängste vor einem Auseinanderbrechen des Euro gegeben, die letztlich erst durch eine faktische Bestandsgarantie durch der Europäische Zentralbank (EZB) ausgeräumt wurden.
08.06.2018 15:00

Target2 ist ein Zahlungsverkehrssystem im Euroraum, über das die nationalen Notenbanken ihre Zahlungen abwickeln. Aus diesen Zahlungsströmen resultieren Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen den nationalen Notenbanken, die per saldo lange Zeit nahezu ausgeglichen waren. In der Euro-Schuldenkrise änderte sich dies schlagartig: Hohen Forderungen von Ländern mit hoher Reputation wie Deutschland standen hohe Verbindlichkeiten von wirtschaftlich angeschlagenen Ländern wie Griechenland gegenüber. Ein Teil dieser Verbindlichkeiten resultierte aus Kapitalflucht.

Nach der Eurokrise bildeten sich die Target-Salden wieder zurück, stiegen aber mit Beginn der Wertpapierkäufe durch die EZB im Jahr 2015 wieder an. Ein Grund dafür ist, dass viele Wertpapiertransaktionen im Rahmen des EZB-Kaufprogramms über Konten bei der Bundesbank abgewickelt werden, was die Forderungen Deutschlands gegenüber den anderen nationalen Notenbanken in die Höhe treibt. Derart sprunghafte Anstiege wie jetzt in Italien dürften damit aber nicht zu erklären sein und eher auf Kapitalabfluss aus Sorge wegen der populistischen und eurokritischen italienischen Regierung zurückgehen./bgf/jkr/fba

(AWP)