Japans Notenbank hält an ihrem Kurs fest - Inflationsziel verschoben

(Ausführliche Fassung) - Während sich weltweit eine allmähliche Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik abzeichnet, hält die japanische Notenbank unbeirrt an ihrer Geldschwemme fest und hat ihr Inflationsziel erneut nach hinten verschoben. Die Teuerung in Japan werde sich wohl erst um das Fiskaljahr 2019 (ab 1. April) der angepeilten Marke von zwei Prozent nähern, teilte die Zentralbank am Donnerstag nach einer zweitägigen Sitzung in Tokio mit.
20.07.2017 10:37

Nach bisheriger Planung sollte das Ziel bereits ein Jahr früher erreicht sein. Notenbankchef Haruhiko Kuroda äusserte sich aber zuversichtlich zur japanischen Wirtschaft und hält zumindest weitere geldpolitische Lockerungen nicht für nötig.

Schon seit April 2013 kämpfen die japanischen Währungshüter vergeblich gegen die schwache Teuerung. Damals hatte die Zentralbank noch erwartet, das Inflationsziel von zwei Prozent innerhalb von etwa zwei Jahren zu erreichen. Seither musste sie dieses Ziel nun schon sechs Mal nach hinten schieben. Für Thu Lan Nguyen, Expertin bei der Commerzbank, ist die erneute Verschiebung ein Beweis dafür, dass die japanische Notenbank kaum noch handlungsfähig ist.

NOTENBANKCHEF KURODA BEI KONJUNKTUR ZUVERSICHTLICH

Kuroda verwies dagegen darauf, dass die Inflationsentwicklung auch in anderen Ländern schwach sei. Man habe die notwendigen geldpolitischen Massnahmen ergriffen, um das Inflationsziel zu erreichen. Immerhin die Deflation habe man inzwischen hinter sich gelassen. Die Unternehmen seien aber bei der Preissetzung weiterhin vorsichtig. Zuversichtlich äusserte sich Kuroda zur Konjunktur und verwies auf das Wirtschaftswachstum, sprudelnde Unternehmensgewinne und eine niedrige Arbeitslosigkeit. Das Risiko einer Überhitzung, die Zinserhöhungen nötig machen würde, sehe er aber nicht.

Für das noch bis zum 31. März 2018 laufende Fiskaljahr erwartet die Bank von Japan eine Preissteigerung um 1,1 Prozent. Zuvor war sie noch von einer Inflation von 1,4 Prozent ausgegangen. Im kommenden Fiskaljahr dürfte sie bei 1,5 Prozent liegen und nicht wie zunächst erwartet bei 1,7 Prozent. Die wirtschaftlichen Aussichten schätzen die Notenbanker gleichwohl etwas besser als bisher ein. So wurde die Wachstumsprognose für das laufende Steuerjahr von 1,6 Prozent auf 1,8 Prozent angehoben. Im nächsten Steuerjahr dürfte die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt um 1,4 statt 1,3 Prozent zulegen, hiess es.

LEITZINS BLEIBT UNVERÄNDERT

Der wichtigste japanische Leitzins, der angibt, wie viel Geschäftsbanken auf bei der Notenbank geparktes Geld erhalten, bleibt unverändert bei minus 0,1 Prozent. Da er im negativen Bereich liegt, stellt er eine Art Gebühr dar, die Banken zu zahlen haben. Auch das milliardenschwere Wertpapierkaufprogramm bleibt unverändert. Weiterhin werden jährlich Käufe im Volumen von 80 Billionen Yen (620 Milliarden Euro) pro Jahr angepeilt.

Ebenso unverändert bleiben die Renditeziele, die die Notenbank im September eingeführt hatte. Demnach soll der Zins auf kurzfristige Anleihen bei minus 0,1 Prozent und bei langfristigen Papieren nahe null Prozent liegen. Bislang mussten die Währungshüter dreimal am Rentenmarkt eingreifen, um diese Ziele zu verteidigen - zum Teil reichten dabei blosse Ankündigungen ohne tatsächliche Käufe. Experten weisen darauf hin, dass die Währungshüter zuletzt ihre Wertpapierkäufe deutlich reduzieren konnten, ohne dabei die Renditeziele zu verfehlen. Der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat vor diesem Hintergrund gefordert, die Europäische Zentralbank (EZB) solle sich die Japaner zum Vorbild nehmen und über Renditeziele ihren Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik einleiten.

Während die US-Notenbank Fed bereits seit Ende 2015 ihre Geldpolitik strafft und derzeit über eine baldige geldpolitische Wende bei der EZB und anderen führenden Notenbanken spekuliert wird, rechnet derzeit kaum ein Experte mit einem baldigen Ende der Geldschwemme in Japan./tos/jkr/fbr

(AWP)